Carl Schüppel: Nomen elefanti erat Abul Abaz.

Carl Schüppel: Nomen elefanti erat Abul Abaz. Über Bedeutung und Deutungen eines diplomatischen Geschenkes.

»Aber was soll man erst zu einem Körper sagen, der mit seiner Größe so viele
edle Eigenschaften verbindet, daß man damit zahlreiche Blätter füllen und
umfangreiche Pergamentbögen voll schreiben könnte?«

Aus dem Kitāb al-Ḥayawan (Buch der Tiere) des
ʿAmr ibn Baḥr al-Ǧāḥiẓ (†869) zum Elefanten[1]

Allein diese Frage lässt erahnen, welche Wertschätzung der Elefant zur Zeit Karls des Großen (†814) im arabischen Kulturraum genoss – und in Europa war seine Symbolkraft nicht geringer. Umso erstaunlicher ist es, dass der Kalif von Bagdad Hārūn ar-Rašīd (†809), der, wie Karls Hofbiograf Einhard (†840) uns glauben machen will, außer Indien fast den ganzen Orient beherrschte,[2] dem noch nicht einmal zum Kaiser gekrönten Karl ein solches Tier zum Geschenk machte. Doch die Quellen schweigen genauso beharrlich zu seinen Motiven wie zu denen des Frankenkönigs, der 797, und damit fast zwanzig Jahre nach dem letzten Gesandtschaftswechsel, den Kontakt zum Kalifen erst wieder aufgenommen hatte.[3] Es scheint gar, als ob wir ohne dieses herrschaftliche Geschenk, das im Fränkischen Reich enorme Aufmerksamkeit auf sich zog, nie etwas von den diplomatischen Beziehungen zwischen Aachen und Bagdad erfahren hätten. Vor dem Hintergrund der Spekulationen über die Absichten der beiden Herrscher, auf welche in einem ersten Teil eingegangen werden soll, wird sich dieser Aufsatz deshalb in einem ausführlicheren zweiten Teil mit der Symbolik des diplomatischen Geschenkes Abul Abaz auseinandersetzen. Dieser Fragekomplex wird auch in der ›Biografie‹ des Elefanten von Achim Thomas Hack, der bisher schärfsten und kurzweiligsten Darstellung zu diesem Thema, in fünf Absätzen kaum mehr als angesprochen.[4] Angeregt von einem Beitrag Clemens Sidorkos zum Elefanten Peters des Großen[5] soll dabei eine Brücke geschlagen werden von der kulturgeschichtlichen Bedeutung des Elefanten zur einschlägigen Literatur über den Gabentausch imrühmittelalter. Die Hürde ist, wie in nahezu jeder mediävistischen Arbeit, die dürftige Quellenlage und die daraus erwachsende Versuchung, von Fakten allzu schnell auf Motive zu schließen.[6]

Die Motive des Gesandtschaftswechsels zwischen Aachen und Bagdad

Über die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Kalifat und Frankenreich geben uns vor allem zwei Quellen Auskunft. Einerseits Einhards Vita Karoli Magni, eine ebenso monumentale wie problematische, weil panegyrische und schon relativ ereignisferne Biografie des fränkischen Königs und Kaisers. Der sich im engsten Kreis von Karl dem Großen bewegende Gelehrte charakterisiert jenen darin voller Lob und Bewunderung und ohne jede kritische Distanz als kraftvollen und großen Herrscher. Auch wenn die genaue Entstehungszeit des Werkes umstritten ist – die frühesten Datierungen setzen kurz nach Karls Tod 814 an, häufiger werden die 830er Jahre genannt –, wissen wir, dass zwischen dem Gesandtschaftswechsel von 797 bis 802 und Einhards Beschreibungen einige Jahrzehnte gelegen haben müssen. Etwas glaubwürdiger, ihrer Natur als Jahrbücher geschuldet aber auch weniger auskunftsfreudig, sind die Annales regni Francorum (Fränkische Reichsannalen), welche im hier untersuchten Zeitraum zeitgenössisch und wohl im Umkreis der fränkischen Hofkapelle niedergeschrieben wurden. Auffällig ist das absolute Schweigen der Quellen auf arabischer Seite; Philip Khuri Hitti spricht in seiner History of the Arabs von dem »strange thing about this exchange of embassies and gifts«[7].

Über die Gründe und Art der Beziehung zwischen den beiden Reichen ist viel spekuliert worden. Einhard bezeichnet das Verhältnis des fränkischen Königs zum abbasidischen Kalifen mit dem Begriff amicitia[8], welcher häufig missverständlich mit Freundschaftsbund übersetzt, im Frühmittelalter aber zunächst nur als »wechselseitige, wertbezogene und moralisch bindende Verpflichtung«[9] zwischen zwei Parteien verstanden wurde. Diese Differenzierung ist wichtig, weil das Element der Gegenseitigkeit bei diplomatischen Geschenken eine beträchtliche Rolle spielt und in der Diskussion über die Motive den Fokus auch auf Hārūn ar-Rašīd legt. Freilich deuten das Pathos mit dem Einhard in der Folge davon berichtet, dass der Kalif Karls Huld der amicitia der aller anderen Herrscherinnen[10] des Erdkreises vorzog und Karl diese ›Liebe‹ gegenüber dem Fremden erwiderte, sowie natürlich die mit üppigen Geschenken ausgestatteten Gesandtschaften auf eine gewisse Aufgeschlossenheit beider Seiten hin.[11]

Fraglich ist, aus welchen Interessen diese erwuchs, und auch hier bietet uns Einhard zumindest für Karl den Großen eine Erklärung an. Dieser habe die amicitia mit den Machthaberinnen jenseits des Meeres gesucht, um auf diese Weise die Lage der im Heiligen Land lebenden Christinnen zu verbessern.[12] Das würde bedeuten, dass er sich schon vor seiner Kaiserkrönung als Schutzherr der gesamten Christenheit verstand. Dafür sprechen ein Brief an Papst Leo III. (†816) von 796, in welchem er sich programmatisch als Verteidiger des Christentums nach außen bezeichnet,[13] sowie ein von dem irischen Gelehrten Alkuin (†804) verfasstes Schreiben an den König drei Jahre später: Das Frankenreich sei nicht nur gleichberechtigt neben das Papsttum und Byzanz getreten, sondern auf Karl allein beruhe angesichts der Schwäche der beiden anderen Großmächte das ganze Wohl der christlichen Welt.[14]

Jerusalem und das Heilige Land nun standen unter der Herrschaft des Kalifen von Bagdad, sodass Maßnahmen zum Schutz der dortigen Christinnen nur dann sinnvoll waren, wenn sie in Absprache mit diesem erfolgten. Dass Karl gerade den in Jerusalem lebenden Christinnen helfen wollte, erscheint nicht nur wegen Einhards expliziter Nennung der Stadt im Zusammenhang mit der christlichen Nächstenliebe (caritas) des Frankenkönigs wahrscheinlich.[15] Die Stadt behielt unter den Abbasidenherrschern ihre zentrale religiöse Funktion für die Christenheit, war Ziel von Pilgerreisen und wichtige Reliquienquelle.[16] Zudem wissen wir von knapp 60 Mönchen und Nonnen aus dem Westen Europas, die in Jerusalem lebten, und von einem Kloster auf dem Ölberg, das von Karl gegründet oder doch zumindest gefördert wurde.[17] Schließlich reiste die Gesandtschaft von 797 über Jerusalem nach Bagdad, und der Patriarch der Stadt sendete wenig später umgekehrt zwei Delegationen ins Frankenreich. Ohne auf Karls genaue Beziehung zu Jerusalem eingehen zu können,[18] deutet deshalb vieles auf eine »Interessenpräsenz«[19] des Karolingers in der Stadt hin. Da die Nachricht des Überfalls auf das Kloster Mar Saba im März 797 noch im selben Jahr nach Aachen gedrungen sein dürfte, scheint zudem ein Anlass für die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen gefunden zu sein.[20]

Den fehlenden Quellen geschuldet weit weniger diskutiert, in diesem Zusammenhang jedoch umso spannender ist die Frage, weshalb Karl davon ausgegangen ist, dass ihn ausgerechnet ein muslimischer Herrscher bei seinem Vorhaben, die Christinnen im Heiligen Land zu unterstützen, behilflich sein würde. Man kann davon ausgehen, dass Karl über die Vorgänge in Bagdad durch jüdische Kaufleute gut informiert war. Dort versuchte Hārūn ar-Rašīd das Kalifat vom Islam möglichst zu trennen und führte deshalb sein geistliches Amt nur noch formal aus. Daneben förderte er die Wissenschaften, ließ etwa zahlreiche griechische Werke von muslimischen, jüdischen und christlichen Gelehrten ins Arabische übersetzen.[21] Überhaupt lässt sich zu dieser Zeit von einer gewissen Akzeptanz, wenn auch nicht von Toleranz im modernen Sinne, gegenüber den in den städtischen Zentren des Abbasidenreiches wohnenden Menschen jüdischen und christlichen Glaubens sprechen.[22] Vielleicht unterstützte ar-Rašīd die Interessen des Frankenkönigs in Jerusalem auch, um die nach dem Zweiten Konzil von Nicäa 787 wieder möglich gewordene Annäherung zwischen dem Patriarchen von Jerusalem und Byzanz zu verhindern.[23] Daraus aber die Verbesserung der Situation der Christinnen im Heiligen Land als »gemeinsames politisches Ziel«[24] abzuleiten, wie Lioba Geis dies tut, geht sicherlich zu weit.

Außerdem dürften die gemeinsamen politischen Gegner und daraus resultierende ähnliche politische Interessen der beiden Herrscher eine Rolle gespielt haben.[25] Byzanz galt als der »traditionelle Feind«[26] des Kalifats und auch die Beziehungen zwischen Konstantinopel und Aachen waren seit der Eroberung des Langobardenreiches 774 und den unterschiedlichen Standpunkten im Bilderstreit[27] angespannt. So wurde dann auch das byzantinische Gebiet bei der Reise von Bagdad zurück ins Fränkische Reich konsequent gemieden.[28] Ähnliches galt in Bezug auf das Emirat von Córdoba, welches 756 durch einen vor den Abbasiden geflohenen Umayyadenprinzen begründet und von dem Frankenkönig bekämpft wurde.[29]

Weiterhin könnten die »regen« Handelsbeziehungen zwischen den beiden Reichen Karl zu einer Kontaktaufnahme motiviert haben.[30]ahrscheinlicher als das Erschließen neuer Absatzmärkte ist aber, dass der König, nachdem die Expansion seines Reiches abgeschlossen war, aus einem neuen imperialen Selbstverständnis heraus, den ihm zustehenden Rang einfordern wollte.[31] Dafür spricht auch, dass er sich nur drei Jahre später zum Kaiser krönen ließ und Einhard gar behauptet, Karl habe den Kalifen um den Elefanten gebeten.[32]

Wenn wir Einhard glauben können, und Karl tatsächlich einen Elefanten auf dem Wunschzettel stehen hatte, wirft dies ein neues Licht auf die Interessen Karls und das Elefantengeschenk. Und tatsächlich schildern uns auch die Chronik von Moissac[33] sowie ein Wunderbericht, der auf Anweisung des Abtes Erlebald (†847) im Kloster Reichenau verfasst wurde,[34] dass die Gesandten einen Elefanten vom Kalifen zu erlangen suchten. Während die Chronik ihre Information wahrscheinlich aus der Vita Karoli Magni bezog und somit kaum geeignet ist, deren Aussagen zu verifizieren (davon abgesehen, dass ihre Zuspitzung angesichts der oben diskutierten Motive wenig glaubwürdig erscheint), betont Michael Borgolte bei dem Wunderbericht, dass er als hagiographisches Werk einer politischen Aufwertung nicht bedurfte. Aus einer derartigen Quellensituation aber zu schließen, dass es »keinen Grund« gebe, die Bitte Karls nach einem Elefanten anzuzweifeln, überzeugt nicht, zumal Borgolte selbst andeutet, dass vermutlich auch der Wunderbericht aus Einhards Beschreibungen schöpfte.[35] Dagegen spricht auch die Ereignisferne der Quellen, die mindestens zwanzig Jahre nach dem Gesandtschaftswechsel entstanden,[36] sowie der allzu lobrednerische Charakter der Worte Einhards. Gegenüber den Reichsannalen machte er aus einem Elefanten den einzigen Elefanten des Kalifen und aus einem diplomatischen Geschenk den prompt erfüllten Wunsch des Frankenkönigs.[37] Zudem darf man wohl aus dem Schweigen der abbasidischen Quellen folgern, dass der Gesandtenaustausch für das Kalifat »als das politisch mächtigste […] der drei universale Geltung beanspruchenden Potenzen«[38] anders als für das Karolingerreich nur von marginaler Bedeutung war. Vor diesem Hintergrund oblag die Wahl des Geschenkes wohl eher dem Kalifen als dem König.

Zur Bedeutung des Elefanten Abul Abaz

In einem ersten Schritt wollen wir uns der Bedeutung des Elefanten Abul Abaz mit drei Fragen nähern: 1) Welche Eigenschaften wurden Elefanten im Frühmittelalter allgemein zugeschrieben und welche Funktion erfüllten die Tiere in der fränkischen und abbasidischen Kultur? 2) Wie musste Karl der Große mit einem solchen Exoten nördlich der Alpen gewirkt haben? Und, mangels anderer uns bekannter Quellen wohl die aussichtsreichste Frage, um die hinter dem Geschenk stehenden Intentionen Hārūn ar-Rašīds zu erschließen: 3) Wie lässt sich der Name des Elefanten, Abul Abaz, interpretieren?

1) Der Elefant war für die meisten Gelehrten des europäischen Mittelalters ein ›Buchtier‹, ihnen also nicht aus eigener Erfahrung, sondern nur aus antiken Texten bekannt.[39] Weil viele griechische Autorinnen auch im Orient rezipiert wurden, lässt sich mit Reiner Dieckhoff nicht nur für das Frankenreich, sondern auch für das Kalifat festhalten, dass die antike Literatur zum Elefanten »für die Anschauung des Mittelalters verbindlich« war und die »wichtigste Quelle für die allegorische Interpretation, Symbolik und Ikonografie« bildete.[40] Drei Autoren stechen hierbei heraus: Nach der literarischen Ersterwähnung durch Herodot hat sich im antiken Griechenland vor allem Aristoteles (†322 AC) mit dem Elefanten beschäftigt und beschreibt ihn an mehreren Stellen seiner Historia animalium[41] sowie in De partibus animalium[42] und De generatione animalium[43]. Auf diese Texte stützen sich später sowohl Plinius der Ältere (†79), der das Tier zu Beginn des achten, den Landtieren gewidmeten Buches seiner Naturalis historia[44] behandelt, als auch der arabische Gelehrte al-Ǧāḥiẓ in seinem Kitāb al-Ḥayawan.

Dem Elefanten wurden fast durchweg positive Eigenschaften zugeschrieben, Plinius berichtet uns nicht ohne Faszination im ersten Satz des achten Buches:

Das größte unter ihnen [den Landtieren] und dem Menschen an Verstand zunächst stehend ist der Elefant, denn er versteht die Sprache seines Landes, gehorcht den Befehlen, behält die erlernten Verrichtungen, zeigt Freude an Liebe und Ruhm und hat sogar, was selbst bei dem Menschen selten ist, Rechtschaffenheit, Klugheit, Billigkeit, auch Ehrerbietung für die Gestirne und Verehrung für Sonne und Mond (Plin. nat. 8, 1).

Die »überragende Größe« des Elefanten hebt auch Aristoteles hervor (Aristot. part. an. 663 a 5), christliche Autorinnen sehen in ihm ehrfürchtig das größte Tier der Schöpfung.[45] Wie Plinius (Plin. nat. 12, 33) lobt auch Aristoteles seine Verständigkeit und Gelehrsamkeit, welche der aller anderen Tiere überlegen sei (Aristot. hist. an. 630 b 19-21). Eine ähnliche Bemerkung findet sich in den Etymologiae[46] des spanischen Kirchenlehrers Isidor von Sevilla (†636) (Isid. etym. 12, 2, 15). Ebenso spiegeln sich die dem Tier von Plinius zugeschriebenen Charakteristika Gehorsam und Pflichteifer in einigen Anekdoten. Plinius selbst berichtet in seiner Naturkunde, dass der Elefant vor einem König in die Knie geht und ihm Kronen darreicht (Plin. nat. 1, 3, vgl. auch Aristot. hist. an. 630 b 21f.).[47] Al-Ğāḥiẓ lobt sein »gutes Benehmen, wenn er Könige trägt«.[48] Schließlich thematisieren auch andere Gelehrte die Gottesfürchtigkeit des Elefanten. Origenes (†253/54) schreibt in seiner Streitschrift Contra Celsum[49], dass es Kelsos zufolge »Eidesschwüre« von Elefanten gebe und diese ferner »eine größere Treue gegenüber Gott besitzen« als die Menschen sowie »über eine Gotteskenntnis verfügen« (Orig. c. Cels. 4, 98).

Das Tier war außerdem für seine Mäßigkeit und Keuschheit bekannt, eine Eigenschaft, die besonders von den christlichen Gelehrten geschätzt wurde.[50] Es verwundert deshalb nicht, dass der Elefant in einigen Darstellungen als Reittier für die Personifikation der temperantia (Mäßigung), eine der vier platonischen Kardinaltugenden, dient.[51] Daneben wird seine Gutmütigkeit hervorgehoben (noch heute verwenden wir das römische Sprichwort ›ein Elefant tut keiner Maus etwas zu leide‹[52]), außerdem seine Hilfsbereitschaft (vgl. etwa Plin. nat. 8, 9), seine Treue und Dankbarkeit sowie sein Gerechtigkeitssinn.[53] Der Elefant wurde zudem wegen seiner Langlebigkeit zum Sinnbild der Ewigkeit stilisiert. Seine Lebensdauer war umstritten, wurde aber jeweils deutlich zu hoch angesetzt. Aristoteles gilt der Elefant als das einzige Tier, das älter wurde als der Mensch (Aristot. gen. an. 777 b 3-5), verschiedene Autoren der Antike und des Frühmittelalters, darunter auch Plinius und Isidor, behaupten, dass der Elefant 200 bis 300 Jahre alt würde.[54] Andere Gelehrte wissen gar von einer Lebensdauer von über 1000 Jahren zu berichten.[55]

Aristoteles erzählt uns von der Tapferkeit und Beherztheit einiger Elefanten (Aristot. hist. an. 610 a 18-22) und al-Ǧāḥiẓ zeigt sich beeindruckt von seiner Stärke im Kampf. In seinem Buch der Tiere schildert er die Überlegenheit des Elefanten im Vergleich zum Löwen: »Hat denn ein Löwe jemals einen Elefanten getötet und ihn aufgefressen? Trotzdem kommt es manchmal vor, daß der Elefant dem Löwen einen Fußtritt versetzt, der ihn entweder tötet oder ihn in die Flucht schlägt oder wenigstens bewirkt, daß er weggeht.«[56] Von der deshalb naheliegenden Verwendung von Elefanten in den Heeren der Antike wusste man auch im Frankenreich.[57] In der Forschung wurde teilweise vermutet, dass auch Abul Abaz als Kriegselefant eingesetzt werden sollte, zumal Karl der Große ihn tatsächlich mit auf einen Feldzug gegen ein nordmannisches Heer nahm.[58] Angesichts seiner Seltenheit und Kostbarkeit ist es jedoch wahrscheinlich, dass dieser allenfalls als psychologisches Kampfmittel Verwendung finden, also nicht selbst kämpfen, sondern die gegnerischen Streitkräfte nur durch seine Größe und Andersartigkeit in Schrecken versetzen sollte.[59] Für diese Vermutung spricht auch die mögliche Herleitung des Wortes Popanz (Schreckgestalt) von seinem Namen Abul Abaz.[60]

Mit den genannten Eigenschaften war der Elefant als Tier der Königinnen geradezu prädestiniert. Im Hellenismus galten Elefanten als Sieges- oder Herrschaftszeichen und dienten als Ehrengeschenke, sie waren Repräsentationsobjekt und Statussymbol.[61] Howard Scullard vermutet, dass der Besitz von Elefanten im römischen Reich zunächst sogar ein kaiserliches Privileg gewesen sein könnte, später wurden sie dann auch hier als Zeichen herrschaftlicher Gunst verschenkt.[62] Mit Stephan Oettermann lässt sich deshalb von einer gewissen Verquickung von Herrschaft und Elefant sprechen.[63] Es ist deshalb kaum überraschend, dass der Elefant Karls des Großen von einzelnen Historikerinnen als Sinnbild für die Gleichrangigkeit Aachens mit Konstantinopel und Bagdad gesehen wird.[64] Das kann bei näherer Untersuchung jedoch ebenso wenig überzeugen wie die Spekulationen über seine helle Hautfarbe. Von einem weißen Elefanten[65] wussten die zeitgenössischen Quellen nämlich nichts zu berichten.[66]

 

2) Der Elefant erreichte am 20. Juli 802 die Kaiserpfalz in Aachen, in deren Tiergarten er vermutlich bis kurz vor seinem Tod in Lippeham am Rhein 810 lebte.[67] Ein derart exotisches, zumal noch schwer transportierbares Tier in der eigenen Menagerie zeugte als »lebende Trophäe« von den kulturübergreifenden Kontakten Karls des Großen und muss seinem Hof einen besonderen, staunenerregenden Glanz verliehen haben.[68] Walahfrid Strabo (†849) deutete solche Tierbestände in einem Ludwig dem Frommen gewidmeten Gedicht später gar als irdisches Abbild des himmlischen Paradieses.[69] Entsprechend große Aufmerksamkeit wurde dem Exoten in Aachen zuteil: Der am Karlshof tätige, irische Gelehrte Dicuil (†nach 840) berichtet in seinem Liber de mensura orbis terrae, welches wohl um 825 entstand, dass die Bevölkerung des Frankenreiches in ihrer Gesamtheit (!) (communiter) den Elefanten zu Zeiten Kaiser Karls gesehen hätten.[70] In den recht knapp gehaltenen Reichsannalen wird Abul Abaz gleich mehrmals erwähnt, was Hack zu der spitzen Bemerkung veranlasste, dass keine von Karls Frauen »eine auch nur ähnliche« Beachtung in den Jahresberichten erfahren hätte.[71] Und eine fränkische Miniatorin ließ es sich nicht entgehen, dem Elefanten noch zu dessen Lebzeiten in einer Initiale ein zeichnerisches Denkmal zu setzen (Abb. 1).[72]

 

3) Aus den Reichsannalen erfahren wir den Namen des Tieres, Abul Abaz,[73] mit dem der Kalif vermutlich an seinen Großvater Abū l-ʿAbbās as-Saffāḥ (†754) erinnern wollte, den Begründer der seit 750 über den Orient herrschenden Abbasidendynastie und ein Verwandter des Propheten Mohammeds.[74] Drei Deutungen des Namens sind denkbar:

a) Indem der Name auf den Stammvater des Kalifengeschlechts verweist, betont er die enge Freundschaft der Dynastie mit dem Frankenkönig, zumal die Vierbeiner des Propheten ebenfalls Eigennamen trugen.[75] Da diese jedoch allesamt Geschenke mächtiger Herrscherinnen waren und auch sonst plausible Motive für eine derartige Wertschätzung seitens des Kalifen fehlen, scheint diese Interpretation indessen fragwürdig.

b) Stefan Weinfurter betont dann auch weniger die Rolle des Namens im arabischen Raum, als vielmehr am karolingischen Hof, um anschließend zu mutmaßen: »Abul Abbas erschien wie das Abbild orientalischer Macht, und Karl konnte sich der Vorstellung hingeben, dass ihm diese Macht symbolisch zur Verfügung stand.«[76] Gegen diese Auffassung spricht, dass der Name Abul Abaz sicher nicht von Karl gegeben wurde,[77] wie Weinfurter suggeriert und dieser sich zudem mit seiner Bemerkung selbst widerspricht. Sechs Seiten zuvor hatte er nämlich noch festgestellt, dass der Karolinger sich auf ein »regional begrenztes Kaisertum, das sich auf die von ihm regierten Völker und Länder bezog«[78] beschränkte. Karl strebte sicher nach imperialem Ansehen, universelle Macht aber wollte er nicht, sicher auch, weil die Unmöglichkeit einer Herrschaftsausdehnung bis nach Jerusalem oder gar Bagdad auf der Hand lag.[79]

c) Wahrscheinlicher ist, dass der Kalif den Namen wählte, um die Stellung der Abbasiden hervorzuheben, ihm vielleicht sogar der Gedanken gefiel, dass der Elefant den Namen seiner Dynastie für Jahre im Herzen des Fränkischen Reiches zur Geltung bringen würde. Tatsächlich lässt sich der Elefant mit seinem identitätsstiftenden Namen einer Gruppe von Geschenken zuordnen, die Annette Barbara Weiner als ›inalienable possessions‹ (unveräußerliche Besitztümer) bezeichnet.[80] Dinge also, die Identität verleihen und deshalb in einem bestimmten Sinn identisch mit der Personengruppe sind, die sie zuvor besaßen. Die Folge: »Even after having given them away, the donor and his associates retained a right or claim to them«[81], weil die Geberin weniger den ›Gegenstand‹, als vielmehr einen Teil des eigenen Selbst in das fremde Dasein gegeben hat.[82] In eine ähnliche Richtung argumentiert Oettermann, der auf den Beinamen des Elefanten ›Der Schlächter‹ verweist und vermutet, dass man symbolisch mit Abul Abaz »ganz unbemerkt einen solchen in die Hauptstadt des Abendlandes schmuggeln« wollte.[83]

 Zur Bedeutung des diplomatischen Geschenkes Abul Abaz

 In einem zweiten Schritt soll nun das Geschenk des Elefanten mithilfe der einschlägigen Theorien des Gabentausches im Frühmittelalter beurteilt werden. Dafür bietet sich ein zweigeteiltes Vorgehen an: Nach 1) einigen Überlegungen zur Funktion von Geschenken in der Diplomatie des Frühmittelalters, sollen diese 2) auf die konkrete Gabe Abul Abaz angewendet werden.

 

1) Geschenke im Frühmittelalter hatten einerseits eine »Zeichen-Funktion«, die sich auf beide Seiten bezog: Zum einen waren sie ein »Spiegel des ökonomischen und technischen Potentials des Absenders«.[84] Wer einen Elefanten verschenken konnte, musste sehr wohlhabend und mächtig sein. Auf der anderen Seite hatten sie sich am sozialen Rang der Beschenkten zu orientieren.[85] Wer einen Elefanten geschenkt bekam, musste die besondere Wertschätzung der Schenkerin genießen und durfte sich in seiner Position bestätigt oder sogar aufgewertet sehen. Es scheint naheliegend, daraus eine »Beeindruckungsstrategie« zu folgern, die »den Empfänger nicht beschämt, sondern ganz im Gegenteil sein Prestige sogar noch erhöht«.[86] Das wäre nicht falsch, wenn sich der Vorgang des Schenkens allein als freiwilliger und selbstloser Akt auffassen ließe. Damit jedoch würde man eine zweite Komponente des Geschenkes im Frühmittelalter verkennen. Das anfängliche Geschenk nämlich verpflichtete die Beschenkte, die Gabe über kurz oder lang zu erwidern – ich gebe, damit du gibst, do ut des.[87] Das sozialpsychologische Prinzip, wonach ein Geschenk ein Gegengeschenk bedingt, die sogenannte Reziprozitätsnorm, war tief im fränkischen und arabischen Denken verwurzelt[88] und im Osten wie im Westen »part of an unwritten diplomatic code«[89]. Das Geschenk war folglich frei und verbindlich zugleich;[90] Gerd Althoff und Barbara Stollberg-Rilinger sprechen vom »Paradox der Gabe«[91]. Dadurch aber vermochten Geschenke auch dauerhafte soziale Bindungen zu stiften. Der Akt des Schenkens war durch die Verbindlichkeit der Gabe nicht nur auf eine Gelegenheit beschränkt, sondern wurde Episode in einer kontinuierlichen, auf ebendiesem »System reziproker Geschenke« fußenden, Beziehung.[92]

Denken wir mit dieser zweiten Komponente die »Zeichen-Funktion« weiter. Das wertvolle Geschenk brachte also nicht nur den persönlichen Rang zum Ausdruck, sondern verpflichtete die Empfängerin auch in höherem Maße. Das Geschenk war folglich ein Instrument zur Etablierung von sozialer Macht und Hierarchie.[93] Das aber zwang Gebende und Gegengebende dazu, ihre Fähigkeit zu verschwenderischer Ausgabe permanent zu demonstrieren, sodass Geschenke in kompetitiver Weise ausgetauscht wurden.[94] Oberstes Ziel war es, mehr zu geben als die andere, die Rivalin an Freigiebigkeit zu übertreffen in der Hoffnung, dass diese das Geschenk nicht angemessen wird erwidern können und von den Gegenverpflichtungen erdrückt wird.[95] Dann stand die Beschenkte in der eigenen Schuld, verlor an Prestige,[96] während die Schenkende im Rang stieg oder in ihrer überlegenen Position bestätigt wurde.[97] Hannig formuliert dies als Prinzip der agonalen Überbietung und Nelson weitet diese Beobachtung sogar noch aus, indem er konstatiert: »never to be outbidded in gifts is the habitus of a key part of early and high medieval aristocratic social practice.«[98]

 

2) Auf unser Beispiel bezogen wäre der Elefant folglich weniger ein Ausdruck von Karls als vielmehr von Hārūn ar-Rašīds Macht – eine Beobachtung, die sich mit der vermuteten Intention hinter dem Namen Abul Abaz deckt. Ein Elefant war, wie die vorhergehenden Erörterungen gezeigt haben, so wertvoll, dass Karl kaum in der Lage gewesen sein dürfte, dieses Geschenk angemessen zu erwidern. Damit aber hätte der Kalif seine Vorrangstellung gegenüber dem nach imperialen Würden strebenden Frankenkönig behauptet. Diese Lesart der Ereignisse vermag zudem als einzige die unzureichenden Motive ar-Rašīds zu erklären.

Exkurs: Zwei weitere Geschenke Hārūn ar-Rašīds

 Zwei weitere Gaben des Kalifen fügen sich ein in dieses Bild und zeugen von den aufgezeigten Mechanismen der Überbietung und Statusdifferenz:

Die Gesandtschaft Karls des Großen von 797 wurde auf ihrem Rückweg wahrscheinlich von zwei hochrangigen Gesandten des Kalifen begleitet, welche neben dem Elefanten weitere wertvolle Geschenke überbrachten.[99] Francis W. Buckler und in jüngerer Zeit Wolfram Drews erwägen, dass sich darunter auch ein für Karl den Großen bestimmtes Ehrengewand (ḫilʻa) befunden haben könnte und der Elefant nur das begleitende Geschenk dazu war.[100] Die ḫilʻa grenzt sich gegenüber anderen verschenkten Gewändern entscheidend dadurch ab, dass sie stets von höhergestellten Personen an Untergebene verschenkt wurde, Geberinnen und Empfängerinnen also (schon von vornherein) eine ungleiche soziale Position innehatten. Die Schenkerin wollte die Beschenkte mit dem Gewand entweder ehren (reines Ehrenkleid) oder ihr ein Amt übertragen (Investiturgewand).[101] Noch stärker als bei anderen Gaben (wohl auch, weil es sich bei der ḫilʻa um ein ›inalienable possession‹ handelt) war die Empfängerin der schenkenden Person verpflichtet, meist wurden immaterielle Gegenleistungen wie Unterwerfung oder Loyalität von ihr erwartet.[102] Buckler und Drews argumentieren für das in den zeitgenössischen Quellen weder explizit als solches bezeichnete noch durch sie ausgeschlossene Ehrengewand mit einigen Quellenformulierungen, dem auf die Abbasidendynastie verweisenden Elefantennamen sowie dem Selbstverständnis des Kalifen.[103] Hārūn ar-Rašīd habe sich als Nachfolger der Perserkönige und des Propheten Mohammed verstanden und deshalb alle anderen Herrscherinnen als seine Vasallinnen angesehen. Avinoam Shalem stellt in diesem Zusammenhang fest, dass »most of the presents sent from the west to the east were regarded by Muslim rulers as tribute«[104]. Selbst wenn man dieser Argumentation nicht folgt und annimmt, dass es sich bei den verschenkten Gewändern lediglich um kostbare Kleider gehandelt hat, lässt sich darin ein Versuch des Kalifen sehen, Karl seinen Platz innerhalb des internationalen Machtgefüges zuzuweisen. Im Frühmittelalter waren Kleider ein entscheidendes Kennzeichen von Amt und Status, Vermögen wurde häufig in Form von Textilien verwahrt. Ein prunkvolles Gewand war deshalb in besonderer Weise als Geschenk geeignet und zeugte vom Wohlstand und der Großzügigkeit der Geberin.[105] Im Frankenreich bestand zudem ein »starkes Bedürfnis – man kann ruhig sagen: ei[n] Hunger«[106] – nach den kunstvollen und farbenprächtigen Stoffen aus Byzanz und dem Orient, weil diese, anders als das Abendland zu dieser Zeit, über den begehrten Rohstoff Seide verfügten und ihn in technisch viel vollkommenerer Weise zu weben verstanden.

807 trafen (erneut) Gesandte ar-Rašīds am Karlshof in Aachen ein und führten derart prächtige Geschenke mit, dass die Reichsannalen deren Kostbarkeit und Perfektion gar nicht fassen können. Ihr »naives Entzücken und Staunen«[107] über die Gaben nimmt in der Beschreibung des Jahres 807 beachtlichen Platz ein. Berichtet wird uns von einem Zelt aus bunter Baumwolle (Erant enim omnia bissina, tam tentoria quam et funes eorim, diversis tincta coloribus), zahlreichen Seidenmänteln (pallia sirica multa), Düften, Salben und Balsam (odores atque unguenta et balsamum) sowie zwei Messingleuchtern (candelabra duo ex auricalco).[108] Für besonders große Aufmerksamkeit und »höchstes Erstaunen« sorgte aber eine kunstfertig gearbeitete Wasseruhr aus Messing (horologium ex auricalco arte mechanica mirifice conpositum), ein komplexes technisches Wunderwerk, von dem man zwölf Stunden lang die Zeit ablesen konnte, bevor es neu gefüllt werden musste, und das geschickt akustische und optische Signalen verband.[109] Eine solche in Europa bis dato unbekannte Vorrichtung demonstrierte die in diesem Fall »technische Überlegenheit« des Kalifats und ein »sicht- und spürbares Gefälle« zum Frankenreich.[110]

Zusammenfassung und Ausblick

Über die hinter der amicitia der beiden Herrscher stehenden Interessen können angesichts mangelnder glaubwürdiger Quellen auf beiden Seiten nur Vermutungen angestellt werden. Wahrscheinlich war Karl religiös motiviert und wollte den Christinnen im Heiligen Land und insbesondere in Jerusalem helfen – ein Vorhaben, bei dem er gegenüber einem nicht ganz intoleranten muslimischen Herrscher auf eine gewisse Unterstützung hoffen konnte. Zudem scheinen die gemeinsamen Gegner Konstantinopel und Córdoba eine Annäherung begünstigt zu haben. Der enge zeitliche Zusammenhang mit der Kaiserkrönung 800 sowie Einhards Schilderung der Ereignisse deuten schließlich auf ein neues, imperiales Selbstverständnis des Karolingers hin.

Die Wahl des Geschenkes oblag vermutlich dem Kalifen, was Rückschlüsse auf seine Intention zulässt. Der Elefant symbolisierte Herrschaftsmacht und Reichtum, darüber hinaus betonte der Name Abul Abaz die Herkunft des Tieres als Geschenk des Abbasiden. Wenn man bedenkt, dass Geschenke im Frühmittelalter den Rang der Schenkenden repräsentierten und konstruierten und Karl eine derart wertvolle Gabe kaum zu erwidern vermochte, erscheint eine Interpretation des Elefanten als Zeichen der fortwährenden Vormachtstellung des Abbasidenreiches gegenüber dem aufstrebenden Frankenreich als wahrscheinlich. Auch das möglicherweise von Hārūn ar-Rašīd an Karl übersendete Ehrengewand (ḫilʻa) und die technisch ausgefeilte Wasseruhr lassen sich mit dieser Lesart als Ausdruck der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Überlegenheit des Kalifats erklären.

Das wiederum wirft ein neues Licht auf Einhards Beschreibungen der Ereignisse, die nun wirken, als wolle sich der fränkische Gelehrte diesem Schluss mit Übertreibungen zugunsten Karls des Großen entziehen. Und auch die später entstandene Darstellung von Notker Balbulus (†912) in seinen Gesta Karoli[111] fügt sich, unabhängig von ihrer Glaubwürdigkeit, ein in dieses Bild: Wenn Karl dem Kalifen später tatsächlich die von dem Mönch aus St. Gallen beschriebenen, kostbaren Gegengeschenke darbrachte, darunter für die Löwenjagd geeignete, ›germanische‹ Jagdhunde, so würde dies seine Bemühungen um eine dem Elefantengeschenk und seiner Stellung angemessene Reaktion zeigen. Wenn Notker dagegen diese Gaben nur erdichtete, so wird deutlich, dass man eine derartige Erwiderung vom Herrscher des Frankenreiches erwartet hätte.

 

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Cassiodorus: Expositio Psalmorum (800-810). Paris, Bibliothèque nationale. Ms. lat. Nr. 2195. Abgerufen am 07.01.2019 unter gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b84262910/f26.image.

schüppel1

[1] ʿAmr ibn Baḥr al-Ǧāḥiẓ: Arabische Geisteswelt. Ausgewählte und übersetzte Texte. Hrsg. von Charles Pellat, übers. von Walter Wilhelm Müller. Stuttgart, Zürich: Artemis 1967. S. 295.

[2] Vgl. Einhard: Vita Karoli Magni. Hrsg. von Oswald Holder-Egger. 6. Aufl. Hannover, Leipzig: Hahn 1911. Cap. 16, S. 19, Z. 11-13.

[3] Vgl. ebd. sowie das »Chronicon Moissiacense«. Hrsg. von Georg Heinrich Pertz. In: [Annales et chronica aevi Carolini]. Hannover: Hahn 1826. S. 280-313. Hier ad. 802, S. 307, Z. 6f.

[4] Vgl. Achim Thomas Hack: Abul Abaz. Zur Biographie eines Elefanten. Badenweiler: Bachmann 2011. S. 28-32 und die kritische Besprechung von Obermaier sowie Hacks Antwort darauf: Sabine Obermaier: »Rezension zu: Achim Thomas Hack: Abul Abaz«. Auf: H-Soz-Kult vom 28.03.2012. Abgerufen am 06.01.2019 unter http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-18195.

[5] Vgl. Clemens Sidorko: »Der Elefant Peters des Grossen. Gesandtschaftsgeschenke als Instrument diplomatischer Kommunikation«. In: Wege der Kommunikation in der Geschichte Osteuropas. Hrsg. von Nada Boškovska u.a. Köln, Weimar, Wien: Böhlau 2002. S. 31-55.

[6] Vgl. dazu allgemein Gerd Althoff: »Von Fakten zu Motiven. Johann Frieds Beschreibung der Ursprünge Deutschlands«. Rez. zu: Johannes Fried: Der Weg in die Geschichte. Die Ursprünge Deutschlands bis 1024. Berlin: Propyläen 1994. In: Historische Zeitschrift 260 (1995). S. 107-117. Hier S. 113.

[7] Philip K. Hitti: History of the Arabs. From the Earliest Times to the Present. London: Macmillan and Co. 1937. S. 298.

[8] Einhard: Vita Karoli Magni. Cap. 16, S. 19, Z. 2.

[9] Verena Epp: »Rituale frühmittelalterlicher ›amicitia‹«. In: Formen und Funktionen öffentlicher Kommunikation im Mittelalter. Hrsg. von Gerd Althoff. Stuttgart: Thorbecke 2001. S. 11-24. Hier S. 11.

[10] Das mittelalterliche Geschlechterverständnis ist zu komplex, um immer nur das generische Maskulinum zu verwenden. Es soll jedoch nicht geleugnet werden, dass im Mittelalter die Herrschaftsmacht in der Regel in den Händen von Männern lag und in den einschlägigen Quellen das generische Maskulinum benutzt wird (an dieser Stelle gebraucht Einhard etwa regum, den Genitiv Plural von rex, der Herrscher).

[11] Einhard: Vita Karoli Magni. Cap. 16, S. 19, Z. 11-16: Cum Aaron rege Persarum […] talem habuit in amicitia concordiam, ut is gratiam eius omnium, qui in toto orbe terrarium errant, regum ac principum amicitiae praeponeret solumque illum honore ac munificentia sibi colendum iudicaret. [Mit dem König Aaron von Persien […] stand er [Karl] in so freundschaftlichem Einvernehmen, dass dieser seine Huld der Freundschaft aller Könige und Fürsten des ganzen Erdkreises vorzog und ihn allein hoch ehren und beschenken zu müssen glaubte. Einhard: Das Leben Karls des Großen. Übers. von Otto Abel, Wilhelm Wattenbach. München: Winkler 1965. S. 21] sowie ebd. Cap. 21, S. 26, Z. 12: Amabat peregrinos [Er [Karl] liebte die Fremden. Übers. von Otto Abel, Wilhelm Wattenbach. S. 25]. Die Diskussion, inwieweit wir Einhards Beteuerungen Glauben schenken dürfen, erübrigt sich hier mit dem Verweis auf die besonderen Geschenke, die schon für sich allein auf eine grundsätzliche Offenheit des Kalifen schließen lassen, wird aber unten in anderem Zusammenhang geführt, vgl. auch Karl Schmid: »Aachen und Jerusalem. Ein Beitrag zur historischen Personenforschung der Karolingerzeit«. In: Das Einhardkreuz. Vorträge und Studien der Münsteraner Diskussion zum arcus Einhardi. Hrsg. von Karl Hauck. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1974. S. 122-142. Hier S. 139; Richard Fletcher: Ein Elefant für Karl den Großen. Christen und Muslime im Mittelalter. Übers. von Dirk Oetzmann. Darmstadt: Primus 2005. S. 59.

[12] Vgl. Einhard: Vita Karoli Magni. Cap. 27, S. 31, Z. 25 bis S. 32, Z. 2.

[13] Vgl. Alkuin: »Epistolae«. Hrsg. von Ernst Dümmler. In: Epistolae Karolini aevi. Bd. 2. Berlin: Weidmann 1895. S. 1-481. Nr. 93, S. 137, Z. 31-34: Nostrum est: secundum auxilium divinae pietatis sanctam undique Christi ecclesiam ab incursu paganorum et ab infidelium devastatione armis defendere foris, et intus catholicae fidei agnitione munire. [Unsere Pflicht ist es, gemäß der göttlichen Hilfe die heilige Kirche Christi überall nach außen gegen den Einfall der Heiden und die Zerstörung durch die Ungläubigen zu schützen und nach innen durch die Erkenntnis des katholischen Glaubens zu festigen. Übers. von Andreas Odenthal: Liturgie vom Frühen Mittelalter zum Zeitalter der Konfessionalisierung. Studien zur Geschichte des Gottesdienstes. Tübingen: Mohr Siebeck 2011. S. 57, Fn. 33].

[14] Vgl. Alkuin: »Epistolae«. Nr. 174, S. 287-289; Interpretation bei Lioba Geis: »Fremde, Verbündete, Gegner? Muslime und Juden im Verständnis Karls des Großen«. In: Ex Oriente. Isaak und der weiße Elefant. Bagdad – Jerusalem – Aachen. Eine Reise durch drei Kulturen um 800 und heute. Bd. 3: Aachen. Der Westen. Hrsg. von Wolfgang Dreßen, Georg Minkenberg, Adam Oellers. Mainz am Rhein: von Zabern 2003. S. 78-93. Hier S. 78.

[15] Vgl. Einhard: Vita Karoli Magni. Cap. 27, S. 31, Z. 18-25.

[16] Vgl. Aryeh Graboïs: »Charlemagne, Rome and Jerusalem«. In: Revue Belge de Philologie et d’Histoire 59 (1981). S. 792-809. Hier S. 796; Michael Borgolte: Gesandtenaustausch. S. 100, 129; Karl Schmid: »Aachen und Jerusalem«. S. 124.

[17] Nachweise bei Michael Borgolte: »Karl der Große. Sein Platz in der Globalgeschichte«. In: Saeculum. Jahrbuch für Universalgeschichte 63 (2013). H. 2. S. 167-188. Hier S. 181.

[18] Viele Diskussionen hervorgerufen haben die Bemerkungen in Einhard: Vita Karoli Magni. Cap. 16, S. 19, Z. 21f.: sed etiam sacrum illum et salutarem locum, ut illius potestati adscriberetur, concessit [sondern er [ar-Rašīd] bewilligte auch, dass jene heilige und heilbringende Stätte unter seine [Karls] Gewalt komme. Übers. von Otto Abel, Wilhelm Wattenbach. S. 21] und den Annales regni Francorum. Hrsg. von Friedrich Kurze. Hannover: Hahn 1895. Ad. 800, S. 112: Eadem die Zacharias cum duobus monachis, uno de monte Oliveti, altero de sancto Saba, de Oriente reversus Romam venit; quos patriarcha Hierosolimitanus cum Zacharia ad regem misit, qui benedictionis causa claves sepulchri Dominici ac loci calvariae, claves etiam civitatis et montis cum vexillo detulerunt. [Am selben Tage kam Zacharias mit zwei Mönchen, einem vom Ölberg und einem vom Kloster des hl. Sabas, aus dem Osten nach Rom zurück. Diese schickte der Patriarch von Jerusalem mit Zacharias zum König und sie brachten als Zeichen des Segens die Schlüssel zum Grab des Herrn und zur Schädelstätte, auch die Schlüssel der Stadt und zum Berg Zion mit einer Fahne. »Die Reichsannalen«. Übers. von Reinhold Rau. In: Quellen zur Karolingischen Reichsgeschichte. Bd. 1. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1955. S. 9-155. Hier S. 75].

[19] Lioba Geis: »Fremde, Verbündete, Gegner?«. S. 2.

[20] Vgl. Klaus Bieberstein: »Der Gesandtenaustausch zwischen Karl dem Großen und Hārūn ar-Rašīd und seine Bedeutung für die Kirchen Jerusalems«. In: Zeitschrift des Deutschen Palästina Vereins 109 (1993). Nr. 2. S. 152-173. Hier S. 164f., 169; Michael Borgolte: Gesandtenaustausch. S. 53f.; Wilfried Hartmann: Karl der Große. 2. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer 2015. S. 229.

[21] Vgl. Hans Altmann: »Die Reise des Isaak und die politische Situation um 800«. In: Ex Oriente. Bd. 1: Die Reise des Isaak. Bagdad. S. 28-35. Hier S. 30f.; Stefan Weinfurter: Karl der Große. Der heilige Barbar. München, Zürich: Piper 2013. S. 242.

[22] Hārūn ar-Rašīd berief sich immer wieder auf seine Verwandtschaft mit dem Propheten Mohammed (†632). Letzterer schloss Zwangskonversionen aus, vgl. Der Koran. Übers. von Rudi Paret. 9. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer 2004. V. 2:256: »Es gibt keinen Zwang in der Religion«.

[23] Vgl. Michael Borgolte: Gesandtenaustausch. S. 122.

[24] Vgl. Lioba Geis: »Fremde, Verbündete, Gegner?«. S. 84.

[25] Vgl. Aryeh Graboïs: »Charlemagne, Rome and Jerusalem«. S. 792 (auch Fn. 3); Karl Hauck: »Tiergärten im Pfalzbereich«. In: Deutsche Königspfalzen. Beiträge zu ihrer historischen und archäologischen Erforschung. Bd. 1. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1963. S. 30-74. Hier S. 45.

[26] Aryeh Graboïs: »Charlemagne, Rome and Jerusalem«. S. 792.

[27] Die byzantinische Kaiserin Irene (†803) hatte auf dem Zweiten Konzil von Nicäa 787 die bilderstürmerische Politik ihrer Vorgänger beendet: Die Verehrung von Ikonen wurde erlaubt, ihre Anbetung blieb jedoch ausdrücklich verboten. Weil Karl der Große als mächtigster Herrscher des Westens nicht auf das Konzil eingeladen wurde, was einen erheblichen Prestigeverlust bedeutete, und die Beschlüsse im Frankenreich aufgrund einer fehlerhaften Übersetzung als Gebot der Ikonenanbetung missverstanden wurden, richtete er 794 die Frankfurter Synode aus. Auf dieser wurden die Beschlüsse von Nicäa missbilligt, obwohl Karl die Ikonenverehrung eigentlich erlaubt sehen wolle. Die Bilderanbetung wurde völlig abgelehnt.

[28] Vgl. Achim Thomas Hack: Abul Abaz. S. 44 sowie die Karte bei Klaus Grewe, Frank Pohle: »Der Weg des Abul Abaz von Bagdad nach Aachen«. In: Ex Oriente. Bd. 1. S. 66-69. Hier S. 68f.

[29] Vgl. etwa Walther Björkman: »Karl und der Islam«. In: Karl der Grosse. Lebenswerk und Nachleben. Bd. 1: Persönlichkeit und Geschichte. Hrsg. von Helmut Beumann. Düsseldorf: L. Schwann 1965. S. 672-682. Hier S. 677 und Philip K. Hitti: History of the Arabs. S. 298.

[30] Vgl. Wilfried Hartmann: Karl der Große. S. 231. Tatsächlich wurden größere Mengen arabischer Münzen aus der Zeit von 800 bis 1100 in Skandinavien entdeckt, vgl. Michael Borgolte: »Karl der Große«. S. 185; Annemarie Schimmel: »Karl der Große und Harun ar-Raschid«. In: Die Wiederentdeckung Europas. Ein Gang durch Geschichte und Gegenwart. Hrsg. von Ludger Kühnhardt, Michael Rutz. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt 1999. S. 64-73. Hier S. 65; ausführlicher Lutz Ilisch: »Arabische Kupfermünzen an der Ostsee und die Gesandtschaft Karls des Großen an den Kalifen«. In: Numismatisches Nachrichtenblatt 61 (2012). S. 296-302.

[31] Vgl. Michael Borgolte: Gesandtenaustausch. S. 121; Richard Fletcher: Ein Elefant für Karl den Großen. S. 59; Stefan Weinfurter: Karl der Große. S. 242.

[32] Vgl. Einhard: Vita Karoli Magni. Cap. 16, S. 19, Z. 25f.: cum ei ante paucos annos eum, quem tunc solum habebat, roganti mitteret elefantum [nachdem er [ar-Rašīd] wenige Jahre vorher ihm [Karl] auf seine Bitte den einzigen Elefanten, den er damals besaß, geschickt hatte. Übers. von Otto Abel, Wilhelm Wattenbach. S. 21].

[33] Vgl. »Chronicon Moissiacense«. Ad. 802, S. 307, Z. 6-9. Demnach soll die Gesandtschaft sogar ausschließlich wegen des Elefanten (propter elephantum bestiam) ins Abbasidenreich geschickt worden sein, vgl. auch Walter Berschin: »Die Ost-West-Gesandtschaften am Hof Karls des Großen und Ludwig des Frommen (768-840)«. In: Karl der Grosse und sein Nachwirken. 1200 Jahre Kultur und Wissenschaft in Europa. Bd. 1: Wissen und Weltbild. Hrsg. von Paul Leo Butzer, Max Kerner, Walter Oberschelp. Turnhout: Brepols 1997. S. 157-172. Hier S. 160.

[34] Vgl. »Ex Miraculis Sancti Genesii«. Hrsg. von Georg Waitz. In: [Supplementa tomorum I-XII, pars III. Supplementum tomi XIII]. Hannover: Hahn 1887. S. 169-172. Hier S. 170, Z. 34-37. Vgl. auch Michael Borgolte: Gesandtenaustausch. S. 49.

[35] Vgl. Michael Borgolte: Gesandtenaustausch. S. 49f.

[36] Diesen Schluss lässt die Amtszeit Erlebalds von 822 bis 838, sowie die bisher frühste Datierung der Vita Karoli Magni zu. Vgl. Michael Borgolte: Gesandtenaustausch. S. 49 und Rosamond McKitterick: Karl der Große. Übers. von Susanne Fischer. Darmstadt: Primus 2008. S. 19-32.

[37] Vgl. Achim Thomas Hack: Abul Abaz. S. 18.

[38] Peter Classen: Karl der Große, das Papsttum und Byzanz. Die Begründung des karolingischen Kaisertums. Erw. Sonderausgabe. Düsseldorf: Schwann 1968. S. 1. Philip K. Hitti: History of the Arabs. S. 298 zufolge war Hārūn ar-Rašīd von den beiden Herrschern »undoubtedly« der mächtigere und repräsentierte die höhere Kultur. Vgl. auch Klaus Bieberstein: »Gesandtenaustausch«. S. 152f.; Lioba Geis: »Fremde, Verbündete, Gegner?«. S. 82; Janet Laughland Nelson: »The Settings of the Gift in the Reign of Charlemagne«. In: The Languages of Gift in the Early Middle Ages. Hrsg. von Wendy Davies, Paul Fouracre. Cambridge: University Press 2010. S. 116-148. Hier S. 133.

[39] Vgl. Sabine Obermaier, Verena Hoefig: »Elefant, elephant, éléphant. A. Das reale Tier«. In: Tiere in der Literatur des Mittelalters. Ein interdisziplinäres Lexikon. Hrsg. von Sabine Obermaier. Abgerufen am 07.01.2019 unter http://www.animaliter.uni-mainz.de/2015/07/18/elefant-a-das-reale-tier/.

[40] Reiner Dieckhoff: »Elephas, Elefant. 2. Ikonographie«. Art. in: Lexikon des Mittelalters. Bd. 3. Hrsg. von Robert-Henri Bautier, Gloria Avella-Widhalm, Robert Auty. München, Zürich: Artemis & Winkler 1986. Sp. 1810f. Hier Sp. 1810.

[41] Aristoteles: Tierkunde. In: ders.: Die Lehrschriften. [Bd. 8,1]. Hrsg. und übers. von Paul Gohlke. 2. Aufl. Paderborn: Ferdinand Schöningh 1957.

[42] Ders.: Über die Teile der Lebewesen. In: ders.: Werke. Bd. 17/1. Übers. und erl. von Wolfgang Kullmann. Berlin: Akademie 2007.

[43] Ders.: Über die Zeugung der Geschöpfe. In: ders.: Die Lehrschriften. [Bd. 8,3]. Hrsg. und übers. von Paul Gohlke. Paderborn: Ferdinand Schöningh 1959.

[44] C. Plinius Secundus d.Ä.: Naturkunde. Buch VIII. Zoologie: Landtiere. Lateinisch-deutsch. Hrsg. und übers. von Roderich König. 2. Aufl. Berlin, Boston: De Gruyter 2007.

[45] Vgl. Ilona Opelt: »Elefant«. Art. in: Reallexikon für Antike und Christentum. Bd. 4. Hrsg. von Theodor Klauser. Stuttgart: Anton Hiersemann 1959. Sp. 1001-1026. Hier Sp. 1020.

[46] Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla. Übers. und mit Anm. vers. von Lenelotte Möller. Wiesbaden: Matrix 2008.

[47] Diese Anekdote konnte eine ganze Reihe antiker Schriftsteller wie Aelianus (†nach 222), Diodor (†um 30 AC) und Strabon (†23 AC) schon deshalb nicht erzählen, weil sie davon ausgingen, dass der Elefant gar keine Kniegelenke hatte. Eine Zusammenfassung der Diskussion findet sich bei Achim Thomas Hack: Abul Abaz. S. 47-57.

[48] Al-Ğāḥiẓ in seinem ›Buch der Tiere‹. In: ders.: Arabische Geisteswelt. S. 295.

[49] Origenes: Contra Celsum/ Gegen Celsus. Tbd. 3. Eingel. und komm. von Michael Fiedrowicz, übers. von Claudia Barthold. Freiburg im Breisgau: Herder 2011.

[50] Vgl. Ilona Opelt: »Elefant«. Sp. 1013; Sabine Obermaier: »Elefant, elephant, éléphant. Bibel und Bibelexegese«. In: Tiere in der Literatur des Mittelalters.

[51] Vgl. Karin Lassacher: Der Elefant in der mittelalterlichen Literatur. 1988 (unveröffentlichte Magisterarbeit an der Universität Wien). S. 24.

[52] Vgl. Das Tierleben im Sprichwort der Griechen und Römer. Hrsg. von Carl Sylvio Köhler. Leipzig: L. Fernau 1881. S. 33, Nr. 18: »Ein Elefant beißt keine Maus.«

[53] Eine abschließende Auflistung aller Autorinnen und ihren Eigenschaftszuschreibungen zum Elefanten kann und soll hier nicht geleistet werden. Noch immer den besten Einstieg, weil die wichtigsten antiken Quellen zusammenstellend und kommentierend, bietet George C. Druce: »The Elephant in Medieval Legend and Art«. In: Journal of the Royal Archaeological Institute 76 (1919). S. 1-73. Neben den bereits zitierten Texten von Obermaier, Opelt und Lassacher soll noch auf die neueste Arbeit zum Thema hingewiesen werden: Robert Sturm: Der Elefant in antiken Bildwerken. Zur Bedeutung des Dickhäuters in der alten Flächenkunst, Bildhauerei und Numismatik. Berlin: Logos 2018.

[54] Vgl. Ilona Opelt: »Elefant«. Sp. 1007, 1021; Robert Sturm: Der Elefant in antiken Bildwerken. S. 13.

[55] Etwa Cassiodorus (†um 580) und später Alexander Neckam (†1217). Vgl. Ilona Opelt: »Elefant«. Sp. 1021; Christian Hünemörder: »Elephas, Elefant. 1. Gelehrte lateinische Tradition«. Art. in: Lexikon des Mittelalters. Bd. 3. Sp. 1809f. Hier Sp. 1809. Dem steht eine tatsächliche Lebenserwartung des Elefanten von ungefähr 60 bis 70 Jahren gegenüber.

[56] Al-Ğāḥiẓ in seinem ›Buch der Tiere‹. In: ders.: Arabische Geisteswelt. S. 296.

[57] Die Kirchenväter wussten vom Einsatz von Elefanten im Krieg vor allem durch den römischen Geschichtsschreiber Titus Livius (†um 17), vgl. Ilona Opelt: »Elefant«. Sp. 1022. Gute Übersichten zu den antiken Elefantenheeren finden sich ebd. Sp. 1008-1012 sowie bei Walter Krebs: »Elefanten in den Heeren der Antike«. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Rostock. Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe 13 (1964). H. 2/3. S. 205-220.

[58] Vgl. Annales regni Francorum. Ad. 810, S. 131.

[59] Vgl. Achim Thomas Hack: Abul Abaz. S. 37 (insb. die Nachweise in Fn. 50).

[60] Vgl. Stephan Oettermann: Die Schaulust am Elefanten. Eine Elephantographia curiosa. Frankfurt am Main: Syndikat 1982. S. 38

[61] Vgl. Ilona Opelt: »Elefant«. Sp. 1016-1019.

[62] Vgl. Howard Hayes Scullard: The Elephant in the Greek and Roman World. London: Thames and Hudson 1974. S. 200.

[63] Vgl. Stephan Oettermann: Die Schaulust am Elefanten. S. 33; Michael Borgolte: Gesandtenaustausch. S. 53.

[64] Vgl. Lioba Geis: »Fremde, Verbündete, Gegner?«. S. 82.

[65] Weiße Elefanten galten Walter Berschin: »Ost-West-Gesandtschaften«. S. 161 zufolge als heilige Tiere und Stefan Weinfurter: Karl der Große. S. 246 nach als besondere Herrschaftssymbole. Vgl. auch Martina Giese: »Kostbarer als Gold. Weiße Tiere im Mittelalter«. In: Farbe im Mittelalter. Materialität – Medialität – Semantik. Hrsg. von Ingrid Bennewitz, Andrea Schindler. Berlin, Boston: De Gruyter 2011. S. 665-678. Hier S. 673.

[66] Vgl. Achim Thomas Hack: Abul Abaz. S. 12; Walter Berschin: »Ost-West-Gesandtschaften«. S. 161. Wilfried Hartmann: Karl der Große. S. 229 zufolge brachte der Jude Isaac »als Geschenk des Kalifen einen weißen Elefanten mit«.

[67] Vgl. Annales regni Francorum. Ad. 802, S. 117; ebd. Ad. 810, S. 131. Vgl. zudem Richard Fletcher: Ein Elefant für Karl den Großen. S. 60; Achim Thomas Hack: Abul Abaz. S. 34.

[68] Clemens Sidorko: »Der Elefant Peters des Grossen«. S. 45. Vgl. auch Achim Thomas Hack: Abul Abaz. S. 34; Rosamond McKitterick: Karl der Große. S. 249.

[69] Vgl. Walahfrid Strabo: »De imagine Tetrici«. Hrsg. von Ernst Dümmler. In: Poetae Latini aevi Carolini. Bd. 2. Berlin: Weidmann 1884. S. 370-378. Hier S. 374, vv. 118-127 sowie darauf Bezug nehmend Achim Thomas Hack: Abul Abaz. S. 34.

[70] Vgl. Dicuil: Liber de Mensura Orbis Terrae. Hrsg. von Charles Athanase Walckenaer. Paris: ex typis F. Didot 1807. S. 37.

[71] Vgl. Annales regni Francorum. Ad. 801, S. 114-116; ad. 802, S. 117; ad. 810, S. 131 sowie Achim Thomas Hack: Abul Abaz. S. 16.

[72] Vgl. Percy Ernst Schramm, Florentine Mütherich: Denkmale der deutschen Könige und Kaiser. Bd. 1: Ein Beitrag zur Herrschergeschichte von Karl dem Großen bis Friedrich II. 768-1250. München: Prestel 1962. S. 79. Hack erwähnt die Zeichnung in seiner ›Biografie‹ des Elefanten leider nicht.

[73] Annales regni Francorum. Ad. 802, S. 117: nomen elefanti erat Abul Abaz.

[74] Vgl. Stephan Oettermann: Die Schaulust am Elefanten. S. 97; Achim Thomas Hack: Abul Abaz. S. 31. Vgl. zu abweichenden Deutungen des Namens auch ebd. S. 62-67.

[75] Vgl. ebd. S. 64; Karl Hauck: »Tiergärten im Pfalzbereich«. S. 45. Lesenswert in diesem Zusammenhang ist Herbert Eisenstein: »Die Maultiere und Esel des Propheten«. In: Der Islam 62 (1985). S. 98-107.

[76] Stefan Weinfurter: Karl der Große. S. 246.

[77] Vgl. Michael Borgolte: Gesandtenaustausch. S. 58.

[78] Stefan Weinfurter: Karl der Große. S. 240.

[79] Vgl. Dieter Hägermann: Karl der Große. Herrscher des Abendlandes. Biographie. München: List 2003. S. 409.

[80] Vgl. Annette Barbara Weiner: Inalienable Possessions. The Paradox of Keeping-While-Giving. Berkeley, Los Angeles, Oxford: University of California Press 1992. Zusammenfassung bei Arnoud-Jan Bijsterveld: »The Medieval Gift as Agent of Social Bonding and Political Power. A Comparative Approach«. In: Medieval Transformations. Texts, Power, and Gift in Context. Hrsg. von Esther Cohen, Mayke de Jong. Boston, Köln, Leiden: Brill 2001. S. 123-156. Hier S. 125.

[81] Ebd. S. 125. Der französische Soziologe Marcel Mauss geht sogar so weit, jedem Geschenk ein Eigenleben zuzugestehen und schreibt über alle Gaben: »Selbst wenn der Geber sie abgetreten hat, ist sie noch ein Stück von ihm. Durch sie hat er Macht über den Empfänger«, Marcel Mauss: Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften. Übers. von Eva Moldenhauer. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1994. S. 33.

[82] Vgl. Monika Springberg-Hinsen: Die Hil‘a. Studien zur Geschichte des geschenkten Gewandes im islamischen Kulturkreis. Würzburg: Ergon 2000. S. 25.

[83] Stephan Oettermann: Die Schaulust am Elefanten. S. 97.

[84] Clemens Sidorko: »Der Elefant Peters des Grossen«. S. 38.

[85] Vgl. Achim Thomas Hack: Abul Abaz. S. 29; Jürgen Hannig: »Ars donandi. Zur Ökonomie des Schenkens im früheren Mittelalter«. In: Armut, Liebe, Ehre. Studien zur historischen Kulturforschung. Hrsg. von Richard van Dülmen. Frankfurt am Main: Fischer 1988. S. 11-37. Hier S. 19, 25; Gerd Althoff, Barbara Stollberg-Rilinger: »Die Sprache der Gaben. Zu Logik und Semantik des Gabentauschs im vormodernen Europa«. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 63 (2015). S. 1-22. Hier S. 9.

[86] Achim Thomas Hack: Abul Abaz. S. 30.

[87] Vgl. Gerd Althoff, Barbara Stollberg-Rilinger: »Die Sprache der Gaben«. S. 1f.; Stephan Oettermann: Die Schaulust am Elefanten. S. 31.

[88] Vgl. Clifford Edmund Bosworth: »Hiba. The caliphate«. Art. in: Encyclopaedia of Islam. Hrsg. von Peter S. Bearman u.a. 2. Aufl. Abgerufen am 31.01.2019 unter http://dx.doi.org/10.1163/1573-3912_islam_COM_0282; Percy Ernst Schramm, Florentine Mütherich: Denkmale der deutschen Könige und Kaiser. Bd. 1. S. 78.

[89] Avinoam Shalem: Islam Christianized. Islamic portable objects in the medieval church treasuries of the Latin West. 2. Aufl. Frankfurt am Main: Peter Lang 1998. S. 44.

[90] Am prägnantesten hat das Mauss formuliert, wenn er schreibt, dass Geschenke »theoretisch freiwillig sind, in Wirklichkeit jedoch immer gegeben und erwidert werden müssen«, Marcel Mauss: Die Gabe. S. 17. Darauf Bezug nimmt Florin Curta: »Merovingian and Carolingian Gift Giving«. In: Speculum 81 (2006). S. 671-699. Hier S. 673.

[91] Gerd Althoff, Barbara Stollberg-Rilinger: »Die Sprache der Gaben«. S. 4, 6.

[92] Ebd. S. 5; vgl. Arnoud-Jan Bijsterveld: »Medieval Gift«. S. 124; Jürgen Hannig: »Ars donandi«. S. 18.

[93] Vgl. Gerd Althoff, Barbara Stollberg-Rilinger: »Die Sprache der Gaben«. S. 5. Vgl. auch Peter M. Blau: »Sozialer Austausch«. In: Vom Geben und Nehmen. Zur Soziologie der Reziprozität. Hrsg. von Frank Adolff, Steffen Mau. Frankfurt am Main, New York: Campus 2005. S. 125-137. Hier S. 132f., demzufolge sozialer Austausch Statusdifferenzen zwischen Menschen kreiert.

[94] Vgl. Gerd Althoff, Barbara Stollberg-Rilinger: »Die Sprache der Gaben«. S. 2, 5; Jürgen Hannig: »Ars donandi«. S. 20.

[95] Das Wort »flatten« wird von Florin Corta tatsächlich für die Karolingerzeit verwendet, vgl. Florin Curta: »Merovingian and Carolingian Gift Giving«. S. 575.

[96] Pierre Bourdieu spricht, auf die Neuzeit bezogen, von »Entehrung«, vgl. Pierre Bourdieu: Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft. Übers. von Günter Seib. 3. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1999. S. 184.

[97] Vgl. über Florin Curta: »Merovingian and Carolingian Gift Giving«. S. 575f., 698 hinaus auch Claude Lévi-Strauss: Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft. Übers. von Eva Moldenhauer. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1981. S. 108 und Régine Le Jan: »›Kompetitiver Tausch‹ zwischen Eliten des frühen Mittelalters«. In: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft. Soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter. Hrsg. von Gerhard Krieger. Berlin: Akademie 2009. S. 96-105. Hier S. 96.

[98] Janet Laughland Nelson: »The Settings of the Gift«. S. 134, sowie Jürgen Hannig: »Ars donandi«. S. 18, 20. Vgl. auch Florin Curta: »Merovingian and Carolingian Gift Giving«. S. 698: »Gift giving was not about social bonds or glue; it was a form of surrogate warfare in which assertive aristocrats engaged when competing with each other for power.« sowie ferner Chris Wickham: »Conclusion«. In: The Languages of Gift in the Early Middle Ages. Hrsg. von Wendy Davies, Paul Fouracre. Cambridge: University Press 2010. S. 238-261. Hier S. 249.

[99] Einer der Gesandten des Kalifen soll der Emir von Ifrīqiya Ibrahim I. ibn al-Aghlab (†812) gewesen sein, vgl. Avinoam Shalem: Islam Christianized. S. 47. Walther Björkman: »Karl und der Islam«. S. 677 nennt als Geschenke »Edelsteine, Gold, Ehrenkleider, Wohlgerüche«.

[100] Vgl. Francis W. Buckler: Harunu’l-Rashid and Charles the Great. Cambridge, Massachusetts: Mediaeval Acad. of America 1931. S. 30-36, 51; Wolfram Drews: »Karl, Byzanz und die Mächte des Islam«. In: Kaiser und Kalifen. Karl der Große und die Mächte am Mittelmeer um 800. Hrsg. von der Stiftung Deutsches Historisches Museum. Darmstadt: von Zabern 2014. S. 86-98. Vor allem S. 97; ders.: Die Karolinger und die Abbasiden von Bagdad. Legitimationsstrategien frühmittelalterlicher Herrscherdynastien im transkulturellen Vergleich. Berlin: Akademie 2009. S. 101, Fn. 331.

[101] Vgl. Monika Springberg-Hinsen: Die Hil‘a. S. 21f.

[102] Vgl. ebd. S. 25f. Al-Ǧāḥiẓ beschreibt das Phänomen der immateriellen Gegenleistung in seinem al-Buḫalāʾ (Buch der Geizkragen): Speis und Trank, welche die Verschwenderin an das Volk austeilt, seien nicht nutzlos vergeudet, weil die Geberin in jedem Fall »etwas im Austausch dafür [erwirbt], selbst wenn es geringer (an Wert) ist«, so etwa Prestige, zit. nach ebd. S. 26.

[103] Vgl. Francis W. Buckler: Harunu’l-Rashid and Charles the Great. S. 51; Wolfram Drews: »Karl, Byzanz und die Mächte des Islam«. S. 97.

[104] Avinoam Shalem: Islam Christianized. S. 66 (En. 1). Vgl. auch Francis W. Buckler: Harunu’l-Rashid and Charles the Great. S. 31-33. Einhard bezeichnet Hārūn ar-Rašīd übrigens tatsächlich als »Perserkönig« (rege Persarum), vgl. Einhard: Vita Karoli Magni. Cap. 16, S. 19, Z. 12.

[105] Vgl. Clifford Edmund Bosworth: »Hiba. I. The caliphate« und Monika Springberg-Hinsen: Die Hil’a. S. 30.

[106] Percy Ernst Schramm: »Herrschaftszeichen: gestiftet, verschenkt, verkauft, verpfändet. Belege aus dem Mittelalter«. In: Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Philologisch-Historische Klasse 5 (1957). S. 161-226. Hier S. 206, vgl. auch S. 207. Vgl. zudem ders., Florentine Mütherich: Denkmale der deutschen Könige und Kaiser. S. 42.

[107] Dieter Hägermann: Karl der Große. S. 519.

[108] Vgl. Annales regni Francorum. Ad. 807, S. 123f.

[109] Vgl. ebd.: duodecim horarum cursus ad clepsidram vertebatur, cum totidem aereis pilulis, quae ad completionem horarum decidebant et casu suo subiectum sibi cimbalum tinnire faciebant, additis in eodem eiusdem numeri equitibus qui per duodecim fenestras completis horis exiebant et inpulsu egressionis suae totidem fenestras, quae prius erant apertae, claudebant; necnon et alia multa erant in ipso horologio, quae nunc enumerare longum est. [Der Zwölfstundenlauf drehte sich nach Art der Wasseruhr mit ebenso vielen ehernen Kügelchen, die nach Vollendung der Stunden herabfielen und durch ihren Fall ein darunterliegendes Becken erklingen ließen; diesem war hinzugefügt die gleiche Zahl von Reitern, die nach Ablauf der Stunden aus zwölf Fenstern herauskamen und durch ihr Herauskommen ebenso viele Fenster, die vordem offen waren, verschlossen; und noch vieles andere befand sich an diesem Uhrwerk, was jetzt aufzuzählen zu lang währte. Übers. von Dieter Hägermann: Karl der Große. S. 520].

[110] Zitate bei Dieter Hägermann: Karl der Große. S. 519f. Zur Wasseruhr vgl. auch Ulrich Alertz: »Das Horologium des Harun al-Raschid für Karl den Großen. Ein Versuch zur Identifikation und Rekonstruktion nach der Bauanleitung des al-Gazari«. In: Ex Oriente. Bd. 1. S. 234-249; Janet Laughland Nelson: »The Settings of the Gift«. S. 133 und Stefan Weinfurter: Karl der Große. S. 244.

[111] Vgl. Notker der Stammler: Gesta Karoli Magni imperatoris. Hrsg. von Hans F. Haefele. 2. Aufl. München: Weidmann 1980. Lib. II, cap. 9, S. 63, Z. 7-S. 64, Z. 11: Porro autem imperatori Persarum direxit indefessus augustus equos et mulos Hispanos, pallia Fresonica alba, cana, vermiculata vel saphirina, quę in illis partibus rara et multum cara comperit, canes quoque agilitate et ferocia singulares, quales ipse prius ad capiendos vel propellendos leones et tigrides postulavit. Qui ceteris muneribus quasi neglegenter inspectis requisivit a missis, quas feras et bestias canes illi debellare solerent. Cumque responsum acciperet, quia cuncta, quibus inmissi fuissent, absque mora discerperent: »Hoc« inquit »rei probabit eventus«. Et ecce crastina die factus est maximus pastorum clamor a facie leonis fugientium. Quod cum in aula regis fuisset auditum, dixit ad legatos: »O socii Franci, ascendite in equos vestros et exite post me«. Qui statim quasi nihil umquam laboris aut lassitudinis passi alacriter sunt regem prosecute. Cum autem ad conspectum leonis, eminus licet, ventum fuisset, dixit satraparum Germanicis canibus. Persicum leonem comprehensum Yperboree vene gladiis duratis pro sanguine peremerunt. Quo viso nominis sui fortissimus heres Aaron ex rebus minimis fortiorem Karolum deprehendens, his verbis in eius favorem prorupit: »Nunc cognosco, quam sint vera, que audivi de fratre meo Karolo, quia scilicet assiduitate venandi et infatigabili studio corpus et animam exercendi cuncta, que sub celo sunt, consuetudinem habet edomandi. Quid igitur ei possum condignum rependere, qui ita me curavit honorare?« [Ferner aber an den Kaiser der Perser schickte der unermüdliche Karl hispanische Pferde und Maultiere, friesische Tuche von weißer, grauer, bunter und blauer Farbe, die, wie er vernahm, dortzulande selten und sehr kostbar sind; auch Hunde von besonderer Schnelligkeit und Wildheit, wie jener selbst sie gewünscht hatte, um Löwen und Tiger zu fangen. Die übrigen Geschenke nun sah Harun nur obenhin an und fragte dann die Gesandten, was für wilde Tiere diese Hunde zu bekämpfen pflegten. Und da er zur Antwort erhielt, dass sie alles, wogegen sie losgelassen würden, unverzüglich zerrissen, erwiderte er: »Das wird sich bei der Probe zeigen.« Und siehe da, am folgenden Tag erhob sich ein großes Geschrei von Hirten, die vor einem Löwen flüchteten. Als man das am Hof des Königs vernahm, sagte er zu den Gesandten: »O ihr fränkischen Genossen, besteigt eure Pferde und folgt mir.« Und sogleich, als hätten sie gar keine Anstrengung oder Ermüdung ausgestanden, folgten sie rüstig dem König. Als sie nun, doch von ferne, den Löwen sahen, sagte der Fürst der Fürsten: »Hetzt eure Hunde auf den Löwen.« Sie folgten dem Befehl, und eifrigst hinzueilend, töteten sie den von germanischen Hunden gepackten persischen Löwen mit ihren zum blutigen Handwerk aus nordischem Stahl geschmiedeten Schwertern. Als das Harun sah, der tapferste Erbe seines Namens, erkannte er an der kleinen Probe die Stärke Karls und rief zu seinem Lob diese Worte aus: »Jetzt erkenne ich, wie wahr das ist, was ich von meinem Bruder Karl gehört habe, nämlich, dass er durch rastloses Jagen und unermüdete Anstrengung zur Übung des Körpers und des Geistes alles, was unter der Sonne ist, zu bezwingen gewohnt ist. Was denn kann ich ihm zurücksenden, das seiner würdig wäre, der mich so hat ehren wollen?« Notker der Stammler: Die Taten Karls des Großen. Übers. von Otto Abel, Wilhelm Wattenbach. München: Winkler 1965. S. 83f.] Martina Giese bemerkt klug, dass die Jagdhunde hier als »exklusive Verfügungsmasse« Karls des Großen erscheinen, wodurch bereits »ein Potenzgefälle in der rituellen Praxis des Gabentausches angedeutet« werde (S. 281). Zudem würden die herausragenden Jagdhunde und kühnen fränkischen Gesandten die Leistungskraft ihres Absenders verkörpern und das Rangverhältnis zwischen den beiden Herrschern klären, weil dem Kalifen damit die überragende Machtfülle und Stärke des Karolingers vor Augen geführt wurde, vgl. Martina Giese: »Kompetitive Aspekte höfischer Jagdaktivitäten im Frühmittelalter«. In: Streit am Hof im frühen Mittelalter. Hrsg. von Matthias Becher, Alheydis Plassmann. Göttingen: V&R unipress 2011. S. 263-284. Hier S. 280f. Wenn man annimmt, dass die Überlegenheit des Elefanten zum Löwen nicht nur im Kalifat (siehe das Zitat von Fn. 56), sondern auch im Frankenreich bekannt war, lässt sich in der Anekdote Notkers auch der Versuch sehen, ein dem Elefanten gleichwertiges Tiergeschenk zu konstruieren: Sowohl der abbasidische Elefant als auch die fränkischen Jagdhunde vermochten es, einen Löwen zu töten, der direkte Vergleich zwischen beiden Tieren stand noch aus.