Feature: kunst b

kunstb

Interview mit kunst b

mit Nathalie Ladermann, Ida Rees und Caroline Warth

 

 

C: Könnt ihr euch und das Magazin kurz vorstellen? Was macht kunst b, wer seid ihr?

NATHALIE: Vor zwei Jahren haben wir das erste Treffen organisiert. Im Vordergrund stand für uns, den Austausch unter Kunstgeschichtsstudierenden zu fördern. Wir hatten das Gefühl, dass an unserem Institut relativ wenig Vernetzung bestand. Wir wollten nicht nur für die Uni schreiben, und da es viele Texte gibt, die man einfach so schreibt – und niemand liest sie oder spricht wirklich darüber – hatten wir Lust, uns auszutauschen und über ein paar Themen zu sprechen, die uns als Kunstgeschichtsstudierende interessieren, zum Beispiel Ausstellungen, die wir uns anschauen. Das schließt auch kürzere Texte ein, also nicht Hausarbeitenlänge, sondern zwei oder drei DINA4-Seiten. Daraus sind dann auch Formate wie „1000 Fragen ans Institut“ entstanden, wo der Anspruch nicht akademisch ist.

CARO: Es ist ziemlich selbstbestimmt, sodass jede*r selbst entscheiden kann, über welche Themen man gerade schreiben möchte, um sich auch journalistisch an anderen Formaten versuchen zu können. Um ein bisschen Freiheit zu gewinnen – und aus Spaß am Schreiben. Mir geht es oft so: Wenn ich eine Hausarbeit schreiben muss, weiß ich, was das Thema ist – das wird ja mehr oder weniger vorgegeben – so und so muss der Aufbau sein, und am Ende landet das Ganze in einer Schublade. Das bringt niemandem was: Ich hab dann meine Punkte und fertig.
Bei kunst b ist es halt ein bisschen freier und kreativer.

IDA: Für mich war das auch ein Punkt, zu kunst b zu kommen, weil ich eben gerade den Austausch gesucht habe. Und das ist auch tatsächlich aus dem Magazin geworden: Ein Ort, wo man seine Sachen vorstellen kann und es kreative Prozesse gibt, konstruktive Kritik an den Texten geübt wird, und man sich immer wieder weiterentwickeln kann. Das ist eine superspannende Sache.

NATHALIE: Dafür ist auch wichtig, wie wir das machen. Wir treffen uns alle zwei Wochen – wir stellen unsere Texte auf eine gemeinsame Cloud und jeder liest sie und schreibt sich Kritik auf. Beim Treffen lesen wir die Texte entweder noch einmal zusammen; sagen, was uns gefallen hat oder was uns nicht so gut gefallen hat, was man verbessern könnte. Dabei entstehen dann spannende Diskussionen über die Themen, aber auch über die Art, wie wir darüber geschrieben haben.

C: Welche Texte publiziert ihr? Habt ihr Themen oder Kunstformen, über die ihr vorwiegend schreibt? – sind diese Schwerpunkte beabsichtigt?

CARO: In den Treffen sprechen wir über unsere Ideen, worüber man sich vorstellen könnte, zu schreiben. Da gibt es eigentlich keine Grenzen. Jede[1] kann Vorschläge machen und dann überlegen wir zusammen: Passt das?

IDA: Bisher hat es das allerdings noch nicht gegeben, dass wir uns gegen ein Thema entschieden haben.

CARO: Wir haben sehr verschiedene Beitragsformate. Manche von uns schreiben beispielsweise über ihre Berufserfahrung, führen Interviews mit Kolleg*innen oder schreiben über etwas, das sie aktuell interessiert. Ich persönlich interessiere mich zum Beispiel für kulturpolitische Themen.

Wir haben sehr verschiedene Interessen, und sehr vielfältige Themen, je nachdem, was uns so begegnet. Und nicht jede liefert regelmäßig Beiträge – aber immer, wenn man mal eine Idee hat oder etwas verfolgen kann, produzieren wir einen Text.

IDA: Jede von uns hat einen eigenen Schwerpunkt. Ich bin studentische Hilfskraft und beschäftige mich viel mit der Provenienzforschung an Museen – deswegen ist mir die Institution Museum wichtig: Was kann da passieren, wo kann es damit hingehen, was findet da statt, was könnte Studierende daran interessieren. Ich versuche, das nicht nur vom Standpunkt der Kunsthistoriker*innen, sondern von der Gesamtheit der Studierendenschaft aus zu betrachten.
Und dann auch die Provenienzforschung an sich: Die Forschung nach der Herkunft der Objekte, was gerade in der Kunstgeschichte und an der Freien Universität ein großes Thema ist – mit Meike Hoffmann, die sich mit NS-Raubkunst auseinandersetzt. Das Pendant an der TU Berlin ist Bénédicte Savoy, die sich mit Kunstraub und Beutekunst beschäftigt – insbesondere in Berlin, vor dem Hintergrund des Humboldt Forums, ein vieldiskutiertes Thema.

NATHALIE: Ich schreibe zum Beispiel über Kunstbücher, aber schlag mich durch alle Rubriken. Ich bespreche auch gerne Alltagsbegegnungen oder schreibe Kommentare über die Kunstwelt. Ich habe zum Beispiel kürzlich über art-shaming geschrieben: Begegnungen mit alten Leuten, die glauben, sie müssten dich ungefragt über Kunst belehren. Auch der Museumsshop war schon Thema in dieser Rubrik: Kuriositäten, die die art-shopping-Industrie zutage bringt. Oder über Artotheken in Berlin, wie die im Neuen Berliner Kunstverein, wo man Kunst leihen kann. Man bezahlt einen Mitgliedsbeitrag und kann für mehrere Monate ein Kunstwerk ausleihen … wir sammeln auch Tipps, wie man für wenig Geld Kunst erwerben kann.

IDA: Auch die öffentlichen Bibliotheken haben Artotheken – das hab ich auch erst durch Nathalies Artikel erfahren – und dann auch sofort gemacht. Du gehst in eine Bibliothek und gehst halt nicht mit einem Buch nach Hause, sondern mit einem Kunstwerk.

NATHALIE: Jede macht das ein bisschen anders, aber ich gebe mich gerne zu erkennen, wenn ich mir etwas anschaue und darüber schreiben will. Man kriegt dann meistens noch mal andere Informationen, als wenn man nur durch die Ausstellung geht – ich finde es total wichtig, nicht nur über etwas zu sprechen, sondern auch mit: Das ist ja auch unser Anspruch, den Austausch zu schaffen. Wir schreiben oder sprechen die Leute an und sagen: Hey, das interessiert uns, wir möchten was dazu schreiben. Die Institutionen sind da ziemlich offen und interessiert daran, was wir machen oder was wir vorhaben.

IDA: Was wir uns vorgenommen haben, ist eine Reihe zur Kunst an den Universitäten: Da wird die Provenienzforschung bedient – die Unis haben Sammlungen, gerade die HU hat eine große Sammlung für Recherchen. Neben den Kunstsammlungen beschäftigen wir uns auch mit Kunstobjekten an den Universitäten. Öffentliche Bauprojekte müssen 0,5% der Baukosten von Hochbau und Gebäudetechnik für Kunst am Bau ausgeben.[2] Auch an den Unis sieht man immer wieder Skulpturen.

C: Das ist eine spannende Frage: Woher kommen die Schrottfiguren an der Rost- und Silberlaube?

IDA: Ja – oder was ist mit diesem Kojoten an der Rost- und Silberlaube, der geklaut worden ist. Ich habe zum Beispiel einen Artikel über den „Großen Würfel” von Brigitte Matschinsky-Denninghoff geschrieben. Ich habe mich mit den Hausmeistern unterhalten und mit Leuten am Institut. Viele haben das gar nicht so wirklich als Kunstwerk wahrgenommen, sondern gedacht, es gehöre zur Belüftungsanlage, oder würde plakatiert oder irgendwie beklebt werden. Niemand nimmt es richtig wahr.

C: Gibt es noch andere Beiträge, die ihr mindestens genauso warm empfehlt?

CARO: Dann gibt es noch unsere Veranstaltungstipps.

IDA: … die B-Seite …

CARO: … oder B-Ware, wir wollen nicht immer die Großen …

IDA: … die sowieso jeder kennt, sondern kleinere Sachen vorstellen – bestenfalls kostenlos, also auch für Studierende, die aber trotzdem inhaltlich viel hergeben. Und da sind wir alle auf der Suche und sammeln den ganzen Monat über Ideen in einem Papier und veröffentlichen das am Ende des Monats.

NATHALIE: Ich würde schon sagen, das ist das Neueste, was gerade so läuft. Was wir auch machen, sind Empfehlungen aus dem Vorlesungsverzeichnis, weil man ja an allen Unis Lehrveranstaltungen besuchen kann, suchen wir immer unsere Highlights fürs kommende Semester raus, von der UdK zur TU über HU und FU.

C: Gibt es Rückmeldungen – Lob, Kritik? Habt ihr konkrete Beispiele? Und, wenn ihr Feedback bekommt, beantwortet ihr die Anfragen? Wie geht ihr damit um, wurden Dinge umgesetzt oder geändert?

CARO: Wir hatten einen Beitrag zu Kunstblogs, der in den sozialen Medien geteilt wurde, woraufhin sich BloggerInnen dazu geäußert haben, nach dem Motto: „Wir sind ja gar nicht drin!“ Als ich den Beitrag für WordPress editiert habe, mussten wir einen veralteten Link rausnehmen und haben stattdessen einen Gymnasialblog mit reingenommen, um den BloggerInnen, die sich bei Facebook beschwert haben, aufs Brot zu schmieren: Wir wählen selbst aus!
Das Feedback hält sich insgesamt aber eher in Grenzen.

NATHALIE: Das ist so eine Frage des online-Publizierens: …

IDA: Gibt es eine Leserschaft, die aktiv ist? Ist keine Nachricht eine gute Nachricht? Bei den social media ist das schwierig. Man kennt sich ja, manchmal setzt man vielleicht einen Like, obwohl man etwas gar nicht gelesen hat. Wir haben die Klickzahlen, aber bei WordPress steht ja auch nicht, wer wie lange an den Artikeln gesessen hat oder wer sie ganz gelesen hat. Wir freuen uns, wenn kommentiert wird und etwas passiert – über das liken und Interesse zeigen hinaus. Das passiert vor allem bei unseren Blogs und geht in beide Richtungen: Es gibt sowohl Positives wie Negatives, und es ist super, dass etwas zurückkommt – dass es eine Reaktion gibt, worauf wir wiederum reagieren können – genau das wollen wir.

CARO: Wir können natürlich auch die Statistiken einsehen, was und wie viel das dann geklickt wurde. Da merkt man, wie gut social media funktionieren, welche Tweets besonders erfolgreich waren, oder ob wir über eine Institution geschrieben haben, die es dann auch geteilt hat – dann sind es schon mal 100 Klicks mehr als bei anderen Beiträgen – das hat einen Riesen-Einfluss.

IDA: Öffentlichkeitsarbeit ist einfach wahnsinnig wichtig – und das ist auch eine spannende Erfahrung, die wir gemacht haben. Ich weiß noch, in einem unserer ersten Treffen, hatten wir über Instagram gesprochen und es verworfen – und jetzt haben wir da wahnsinnig viele Follower.

CARO: Also unser Ziel ist, mehr als Monika Grütters zu bekommen.
Wir haben sie bald, wir haben sie bald.

C: Wer hat das Logo von kunst b entworfen – habt ihr das gemeinsam gestaltet?

CARO: Wir hatten mehrere Treffen, bei denen wir uns darauf geeinigt haben, was wir uns ungefähr vorstellen können, und dann hat jede Vorschläge mitgebracht. Eigentlich wurde es im Endeffekt eine Mischung aus mehreren Entwürfen – das habe ich dann gemacht, weil ich gerade einen Kurs dazu an der Volkshochschule belegt hatte.

C: Wie viele seid ihr in der Redaktion?

CARO: Das schwankt ein bisschen, momentan ungefähr acht.

IDA: Wir drei gehören zu den Gründerinnen und sind von Anfang an dabei. Nathalie hat es initiiert, außerdem Imke und eine weitere Person, die mittlerweile nicht mehr dabei ist.

CARO: Das erste Treffen gab es im Dezember 2017.

NATHALIE: Und der erste Artikel kam Ende Februar 2018 raus.

IDA: Wir versuchen darüber hinaus, andere Leute ins Boot zu holen. Wir sprechen KommilitonInnen an – und es ist für alle möglich, auch Studierende anderer Unis, bei uns etwas zu veröffentlichen, auch ohne Mitglied zu sein. Wir würden das gerne öffnen.

C: Das war auch eine Frage, ob ihr auch externe Einreichungen aufnehmt. Mit der gleichen Vorgehensweise wie für eure eigenen Beiträge? Wenn jemand ein Thema hat, das einen beschäftigt, kann man das bei euch einschicken?

NATHALIE: Ja, oder im besten Fall einfach vorbeikommen, das Thema vorstellen, oder kurz was schreiben und das rumschicken, und dann besprechen wir das.

C: Ihr trefft euch ja auch sehr regelmäßig?

IDA: Ja, wir haben uns auch eine Zeit lang in Nathalies Wohnung getroffen, und dann hatten wir eine kleine Krise, als Nathalie für ein Erasmus weggezogen ist. Es ist wahnsinnig schwierig, einen Raum zu finden, der zentral liegt und wo man gut arbeiten kann.

CARO: Wir haben uns auch mal in Bars getroffen, aber das ist auch schwierig, wenn man kein Internet hat. Und die Geräuschkulisse oder der Rahmen: Wenn wir dann bei Bier und Wein manchmal abschweifen.

IDA: Was aber auch voll schön ist! Das ist ja auch etwas Essenzielles: dass man sich kennenlernt, vernetzt und austauscht.

CARO: Wir laden ab und zu zu offenen Treffen ein, machen Aushänge, dass wir Leute mit Interesse am Mitmachen suchen. Man kann uns auch über unsere Website kontaktieren.

IDA: Das funktioniert ganz gut!

CARO: Manche waren auch nur für einen Beitrag dabei, wir sind offen für alles: Wir freuen uns, wenn Leute Interesse haben.

NATHALIE: Die Hälfte ungefähr ist geblieben, die andere …

IDA: Das ist ja auch okay. Es ist ja auch Arbeit, die man sich zusätzlich aufhalst.

CARO: Aber auch Spaß, finde ich.

IDA: Es gibt keinen Leistungsdruck, dass man irgendwas machen muss, aber für manche war es dann doch zu viel.

NATHALIE: Klar, man will ja auch nicht oberflächlich einfach irgendwas rüberbringen, sondern Inhalte vermitteln.

CARO: Ja, wir haben schon einen hohen Anspruch an uns selbst. Mir fällt es oft schwer, ein Thema zu finden, über das ich schreiben will und über das ich dann auch wirklich schreibe. Manchmal schaffe ich nur einen Text im halben Jahr, weil ich nicht einfach irgendwas raushauen will.

IDA: Dadurch, dass wir aber auch alle so unterschiedliche Charaktere sind und auch so unterschiedlich produzieren, bringt uns das eine tolle Vielfalt. Es gibt Leute, die sagen, okay, ich kann einfach keine Glosse schreiben, ich mach das wie meine Hausarbeiten und schreibe einen wissenschaftlichen Artikel: Das ist, was mir liegt, ich bin einfach nicht witzig! Und das ist auch voll okay. Andere wiederum wollen alles ausprobieren und wollen mit allem rumexperimentieren. Dabei entstehen dann auch ganz unterschiedliche Sachen.

C: Wie findet ihr studentisches Publizieren?

NATHALIE: Ich finde es voll wichtig, weil man erst dadurch in den Austausch mit anderen tritt, sich in Initiative zu engagieren. Dadurch wird man erst aktiv und kommt viel näher an bestimmte Themen heran, als wenn man nur in der Bibliothek seine Hausarbeiten nach dem Modulentwurf abarbeitet. Mir gibt es persönlich auch sehr viel, deswegen finde ich es sehr wichtig.

CARO: Ich finde, man gewinnt die Freiheit, ein Thema, was einen selbst interessiert, zu wählen. Die Recherche aus Eigeninitiative fühlt sich schon ganz anders an; etwas in Erfahrung zu bringen und einen eigenen Text zu schreiben, und ihn so zu schreiben, wie man ihn gerne haben möchte und wie man hofft, dass er gut ankommt – und ihn eben nicht nur auf eine Wertung auszulegen – um sich Gehör zu verschaffen, über ein Thema, das man persönlich wichtig findet.

NATHALIE: Das Gute ist ja einfach, dass es ein Platz ist, wo man sich ausprobieren kann – und das schlimmste wäre, dass wir halt aufhören. Wir haben ja keine extremen Konsequenzen zu befürchten, also ist es ein guter Raum, um zu testen, was man kann und was man will.

IDA: Die Initiative zu ergreifen und sich auszutauschen – da gehe ich voll mit. Was mir aber auch aufgefallen ist, dass mein Schreiben sich verändert hat, und meine Ansätze in Hausarbeiten, sodass ich auch sensibilisiert worden bin für meine Texte und Gedanken – (lacht) das hat es nicht unbedingt einfacher gemacht, Hausarbeiten zu schreiben, aber das hat mich doch noch einmal verändert in diesem Jahr. Du setzt dich hin und besprichst Gedanken und Texte und Fragen und Worte, das ist so spannend, und wir haben dafür einfach ein tolles Forum geschaffen.

 

Wo Trickster, der Kojote, abgeblieben ist und Weiteres findet ihr bei kunst b:

https://kunstb.com/
https://instagram.com/kunstb.studierendenmagazin/
https://twitter.com/kunst_b
https://facebook.com/kunstb.studierendenmagazin/

 

[1] Zurzeit besteht die Redaktion ausschließlich aus Frauen.

[2]Siehe hierzu z. B.: https://www.fu-berlin.de/campusleben/campus/2018/1801xx-kunst-am-bau/index.html (April 2019).

Werbeanzeigen