Rezensionen

Metapherngeschichten

Rezension MetaphernDer Sammelband „Metapherngeschichten. Perspektiven einer Theorie der Unbegrifflichkeit“, herausgegeben von Matthias Kroß und Rüdiger Zill, begegnet dem Leser farbenfroh mit Lacas Cranachs Jungbrunnen auf dem Einband. Inwändig präsentiert der Band acht Beiträge von vorwiegend jungen Wissenschaftlern aus den Bereichen Philosophie, Kulturwissenschaft, Soziologie, Theologie und Germanistik. Trotz dieser multidisziplinären Zusammensetzung verbinden die Fragestellungen der verschiedenen Beiträge philosophische und epistemologische Schwerpunkte im Anschluss an und in Auseinandersetzung mit Hans Blumenbergs Überlegungen zur Metaphorologie und Vertretern der analytischen Philosophie namentlich Donald Davidson und Max Black.

Der Aufsatz „Metapherntheoretischer Visualismus“ von Petra Gehring geht der Frage nach, inwieweit die Vorstellung von der Metapher als Sprach„Bild“ zu einer unzureichenden Reduktion auf ein „augenorientiertes“ Metaphernverständnis führt. Diese ihrer Meinung nach problematische Tendenz verfolgt Gehring von Jean Paul über Heidegger bis zu Derrida und kritisiert das allgegenwärtige visuelle Paradigma.

Ernst Müllers Beitrag „‚Übertragungen‘ in der Wissenschaftsgeschichte“ stellt in Frage, ob die vormals von Kant und in gleicher Tradition von Blumenberg als metaphernsichere Zone definierten Naturwissenschaften heute noch als solche betrachtet werden können. Müller geht stattdessen davon aus, dass bereits interdisziplinäre Übertragungen aus anderen Wissenschaften und nicht zuletzt auch aus der Lebenswelt diesen Status unhaltbar machen.

Philipp Stoellger untersucht in seinem Beitrag „Ereignismetaphern“ die Möglichkeit eines Historischen Wörterbuchs der Metaphern in Analogie und Ergänzung zu Ritters Historischem Wörterbuch der Philosophie. Im Ereignischarakter der Metapher, der diese aus der reinen Verfügbarkeit rückt, sieht Stoellger ein zentrales Problem eines solchen Projektes.

In „Metaphernzirkulation“ beleuchtet Eva Johach ausgehend von Ludwig Flecks Theorie der Denkstile die Frage, welche Rolle die Metapher als Kommunikationsform in der Bildung naturwissenschaftlicher Theorien spielt.

Mit „Metaphern als Migranten. Zur Kulturgeschichte rhetorischer Formen“ entwirft Rüdiger Zill, ausgehend von der Problematik der Übersetzung sprachlicher Bilder, eine neue Lesart des Metaphernphänomens. Die Übertragung des soziologischen Konzeptes des Migranten eröffnet neue Perspektiven auf das Verhältnis von begrifflicher und figuraler Bedeutung von Metaphern und deren Interaktion.

Die verschiedentlichen Wendungen, die die Metapher der Tiefe in den Schriften von Nietzsche, Heidegger, Blumenberg und Wittgenstein nimmt, verfolgt Matthias Kroß in seinem Beitrag „Tiefe“. Die Metapher wird einmal mehr als riskantes aber gleichzeitig unverzichtbares Element der philosophischer Sprache und Denkens offenbart. Strukturell ähnlich verfährt Christian Schildknecht in seinem Beitrag „Die Metapher der Reise“, in dem er die Leistungsfähigkeit dieses Metaphernfeldes für die Philosophie erkundet.

Der Band schließt mit Paul Ziches Aufsatz „Der Mensch als Modell des Menschen“, der sich mit dem wenig untersuchten Phänomen selbstreflexiver Metaphern auseinandersetzt. Diese erbringen nicht nur eine Übertragungsleistung zwischen verschiedenen Bereichen, sondern spiegeln sich dabei auch gleichzeitig selbst wie er u. a. an LaMattries L’homme machine zeigt.

Insgesamt bietet der Sammelband dem an Metapherntheorie interessierten Leser viele bekannte Namen und Gedankengänge, aber auch weniger prominente historische Denker und neue Überlegungen der Autoren kommen zur Darstellung. (Luzia Goldmann)

Matthias Kroß/Rüdiger Zill (Hrsg.): Metapherngeschichten: Perspektiven einer Theorie der Unbegrifflichkeit. Parerga 2011. 259 S. 28,90 €.

Kinderbücher zum Anschauen

Rezension KästnerAls Kinderbuchautor ist Erich Kästner jedem ein Begriff, doch dass er auch als Drehbuchautor aktiv und damit an vielen Verfilmungen seiner Werke selbst beteiligt war, wird den wissbegierigen Lesern und Filminteressierten oft unterschlagen. In den meisten Erich-Kästner-Filmeditionen ist lediglich die Rede vom „Autor“ der jeweiligen Geschichte. So auch in der im Dezember 2011 erschienenen Filmedition Die große Erich Kästner-Box, die über den Filmverleih Universum Film vertrieben wird. Es wird in dieser Filmedition darin geworben, dass erstmals „alle 11 unvergesslichen Filmklassiker nach den Büchern von Erich Kästner“ in einer Box vereint sind. Alle Filmklassiker Kästners sind laut Filmverleih Emil und die Detektive (1931 und 1954), Das fliegende Klassenzimmer (1954 und 1973), Pünktchen und Anton (1953), Das doppelte Lottchen (1950), Salzburger Geschichten (1957), Drei Männer im Schnee (1955), Die Konferenz der Tiere (1969), Liebe will gelernt sein (1963) und Die verschwundene Miniatur (1954).

Diejenigen, die nicht nur an den Filmen, sondern auch an Hintergrundinformationen interessiert sind, bleiben weitestgehend auf dem Trockenen sitzen. Die DVD-Edition umfasst insgesamt knapp 1000 Minuten Spielzeit auf 12 DVDs: Die 11 „Filmklassiker“ sowie eine DVD mit Bonusmaterial, bestehend aus den Dokumentationen Erich Kästner – Laßt Euch die Kindheit nicht austreiben (1998) und Erich Kästner – Ich bin ein Moralist (1969). In den Dokumentationen geht es vor allem um Kindheit im Allgemeinen und Kästners Sichtweise zu verschiedenen zeitgenössischen Themen. Leider fehlen jedoch konkrete Bezüge zu den Filmen der DVDEdition. Zusätzlich befindet sich in jeder DVD-Hülle ein Booklet, das alle DVDCover der Filmedition abbildet und somit wenig aussagekräftig ist. Die DVD-Menüs sind zwar ansprechend und simpel gestaltet, bieten aber neben dem Hauptfilm nur eine Kapitelauswahl und Vorschau-Videos zu anderen Filmen der Edition.

Wünschenswert für eine Filmedition, die einem großen Literaten wie Erich Kästner gerecht werden möchte, wären beispielsweise Features zur Werkgeschichte (zu den Romanen sowie zu den Verfilmungen), Informationen zu Schauspielern mit Werkfotos, zeitgenössische Pressestimmen, historische und kulturelle Hintergrundinformationen, Audio-Kommentare vom Regisseur, Filmplakate etc. Die beiden Dokumentationen auf der Bonus-DVD sind zwar ein Anfang, doch solche Materialien könnten weitere, sehr wertvolle Beigaben zum Hauptfilm sein. Leider lässt sich so etwas bislang in keiner DVD-Edition rund um Erich Kästner finden.

Eine Altersbeschränkung für die gesamte Edition gibt es nicht, was bezeichnend dafür ist, dass die Filmedition hauptsächlich für Kinder und Jugendliche bestimmt zu sein scheint, also jene, die auch Erich Kästners Kinderromane lesen und für die die Inhalte der DVD-Edition höchstwahrscheinlich ausreichend und informativ genug sind. Die Filmedition konzentriert sich vor allem darauf, die Verfilmungen von Erich Kästners Romanen zu zeigen. Daher wäre es nun an der Zeit für eine anspruchsvollere Edition mit umfangreicherem Bonusmaterial. Das entsprechende Material ist zweifellos vorhanden. (Carolin Kerberg)

MFA+ Filmdistribution (Hrsg.): Die große Erich Kästner-Box. Filmverleih/Studio/Hersteller: Universum Film GmbH. Sprache: Deutsch, VÖ: 02.12.2011, Regensburg, FSK: ohne Alterseinschränkung, EAN-Code: EAN: 0886979754195, 12 DVDs. 49,99 €. Auch einzeln für je 9,99 € erhältlich.

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