Lukas Goldmann: Saxones und Altsachsen. Analyse einer Gruppenbezeichnung und ihrer Anwendung in der Archäologie

1. Einleitung

Einen archäologischen Komplex einer archäologischen Kultur zuzuweisen, ist alltägliche archäologische Praxis. Die frühgeschichtliche und besonders die frühmittelalterliche Archäologie steht jedoch überdies oft vor dem Problem Funde und Befunde einer bestimmten historischen Kultur bzw. einer Gruppe, einem Stamm oder einer Ethnie zuzuweisen, die aus zeitgenössischen schriftlichen Quellen bekannt ist. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Historikern und Archäologen sowie eine genaue Kenntnis des jeweils anderen Forschungsgebietes.

Diese gegenseitigen Abhängigkeiten führen zur Frage, inwieweit die archäologischen Forschungen die Kenntnisse über die Ethnizität frühmittelalterlicher Ethnien vergrößern können. In der folgenden Arbeit soll dieser Frage am Beispiel der Ethnie der Sachsen nachgegangen werden. Obwohl die Sachsen einer der bekanntesten germanischen Stämme sind, ist es sehr schwierig sie als solchen zu fassen. Den verhältnismäßig zahlreichen fremden, vor allem römischen und fränkischen Schriftquellen, steht ein bis ins 10. Jh. andauernder Mangel an eigenen Quellen gegenüber. Gleichzeitig erweist sich das frühe Mittelalter für den nord- und mitteldeutschen Raum als eine Zeit offenbar hohen kulturellen Austausches, sodass es schwer ist, eindeutige archäologische Grenzen zu ziehen,[1] zumal diese, selbst wenn sie sich ziehen lassen, eher den Charakter von Grenzräumen als von Grenzlinien haben.[2][3]

Im ersten Teil der Arbeit werden ausgewählte historischen Quellen zu den Sachsen vom 2. bis zum 10. Jh. untersucht, um anschließend anhand der aktuellen Forschungsliteratur ein ‚historisches Sachsenbild‘ zu skizzieren. Im zweiten Teil sollen aus dem historischen Sachsenbild zu erwartende archäologische Funde abgeleitet werden und mit den tatsächlich gefundenen Funden abgeglichen werden, um dann unter Berücksichtigung theoretischer Literatur zur ethnischen Interpretation in der Archäologie und neuerer Forschungsergebnisse zu prüfen, ob der Begriff „Sachsen“ von der Archäologie sinnvoll verwendet wird. Anhand dieser Prüfung soll abschließend der Frage nach der Aussagekraft der ethnischer Interpretationen in Archäologie und Geschichtswissenschaften nachgegangen werden.

Zum besseren Verständnis sei vorab gesagt, dass der Begriff ‚die Sachsen‘ im Folgenden nur die sog. Altsachsen als Gruppe oder Begriff vom Ende des 2. Jahrhunderts bis zum Ende der Sachsenkriege 804 umfasst. Da sich die politische Struktur und kulturelle Selbstauffassung der Sachsen mit der Eingliederung ins Karolingerreich und der Christianisierung wesentlich verändert haben, ist es sinnvoll die Untersuchungen an dieser Stelle abzubrechen. Aufgrund der Quellenlage werden jedoch auch spätere Quellen in die Arbeit einbezogen, sofern sie Aussagen über den oben eingegrenzten Zeitraum machen. Auf die hierbei nötige Quellenkritik wird später eingegangen werden.

2. Das historische Sachsenbild

2.1 Einleitendes zu den Quellen

Problematisch an den Quellen zu den Sachsen ist vor allem, dass es bis ins 10. Jh. keine Quellen der Sachsen über sich selbst gibt. Die Bezeichnung „Sachsen“ wird zwar vom 2. bis zum 9. Jh. n. Chr. in vielen Quellen verwendet, doch sind es stets Fremdsichten auf die Sachsen, die bis zur Eingliederung an der Wende vom 8. zum 9. Jh. in das Karolingerreich über keinerlei eigene Schriftlichkeit verfügt zu haben scheinen. Die erste Selbstbetrachtung der Sachsen stammt von Widukind von Corvey, der um die Mitte des 10. Jh. mit seiner Res gestae saxonicae eine Origio gentis der Sachsen liefert. Widukinds Darstellung, die sich auf Ereignisse bezieht, die sich zum Teil 300 bis 400 Jahre zuvor zugetragen haben sollen, ist jedoch bereits lange nach der karolingischen Eroberung verfasst worden und geht daher wohl eher von den Saxones des 10. Jh. als denen des 5. oder 6. Jh. aus.[4]

2. 2 Saxones in römischen Quellen

Die erste Nennung von Saxones steht in der Geographie des Ptolemäus, eines griechischen Gelehrten, der im 1. Jh. n. Chr. in Alexandria lebte. Die Geographie beschreibt die damals bekannte Welt mit möglichst genauen topographischen Angaben. Das Werk nennt die Völkernamen nur zur Benennung verschiedener Landschaften und nicht, um die Völker selbst näher zu beschreiben.[5] Fraglich bleibt, woher der Alexandriner Ptolemäus seine Informationen bezog, da unklar ist, ob er die jeweiligen Regionen je bereist hat. Ptolemäus schreibt:

Das Land längs des Ozeans [Nord- und Ostsee] bewohnen jenseits der Brukterer die Friesen bis zum Flusse Amisia (Ems). Hinter ihnen sitzen die kleinen Chauken bis zur Weser, dann die großen Chauken bis zur Elbe, dann bis zur Landenge der kimbrischen Halbinsel die Sachsen.[6]

Sofern die Übersetzung der einzelnen Flussnamen stimmt, können die Sachsen nach dieser Quelle im Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein verortet werden (Siehe Abb. 1). Nach der traditionellen Lehrmeinung ist dies ein Beleg dafür, dass die Sachsen im 2. Jh. nach Christus bereits eine feste Größe des damaligen Weltbildes waren, die sich Anfang des 1. Jh. aus den bei Tacitus aufgeführten Stämmen des sog. Nerthus-Bundes, den Reudignern, den Avionen und den Angeln, zu einem Stammesbund unter dem Namen ‚Sachsen‘ formiert hätten.[6] Da Tacitus die Sachsen nicht erwähnt, wird eine Stammesbildung erst nach 100 n. Chr. angenommen.

Dieser Lehrthese stehen in jüngerer Zeit einige Forscher – maßgeblich Matthias Springer – sehr skeptisch gegenüber Springer hält die Nennung der Saxones bei Ptolemäus für das Ergebnis einer „Textverderbnis“[7] einer späteren Abschrift und verweist darauf, dass die älteste bekannte Abschrift knapp 1100 Jahre nach dem Original datiert.[8] Unter Berufung auf Arbeiten von Ulrich Kahrstedt aus den Jahren 1934/35 vertritt er die These, dass die Geografie ursprünglich nicht von Saxones sondern von Anviones schrieb.[9]

Für welche der Thesen man sich auch entscheiden mag, die Saxones tauchen immer erst deutlich später in römischen Quellen auf. Zwischen 365 und 378 berichtet der lateinische Geschichtsschreiber Eutrop für das Jahr 285/286 von Überfällen der Franken und Sachsen auf die römischen Küsten entlang des Ärmelkanals.[10] Zu beachten ist dabei, dass Eutrop den Sachsennamen auf Ereignisse anwendet, die bereits fast 100 Jahre zurückliegen, Quellen des 3. Jh. ihn jedoch nicht nennen. Es kann also angenommen werden, dass die Saxones in der römischen Welt erst im 4. Jh. ein Begriff wurden.[11] Das Ausmaß dieser Überfälle nimmt im 4. und 5. Jh. so stark zu, die Saxones in römischen Quellen praktisch zum Synonym für von See kommende Räuber macht.[11] Auch in anderen Zusammenhängen werden gelegentlich Saxones genannt,[12] wobei auffällt, dass sie häufig in einem Satz mit den Franken genannt werden, sodass unklar ist, ob die römischen Autoren zwischen beiden Gruppen unterscheiden konnten.[13] Fraglich bleibt hierbei, ob der Name Saxones von den Römern vergeben wurde, oder ob die eefahrenden Gruppen ihn sich selbst verliehen haben. Es war den römischen Schreibern mit Sicherheit in den meisten Fällen unmöglich, die Herkunft der von See kommenden Räuber zu prüfen, zumal deren Taktik in einem raschen Angriff und einem ebenso raschen Rückzug bestand.[14] Es ist also anzunehmen, dass die Bezeichnung von den Römern kam. Allerdings muss die Frage offen bleiben, ob die römischen Autoren den Namen aus der Geografie kannten, sofern er dort zu dieser Zeit stand, oder ob er im 3. Jh. neu vergeben wurde.[15]

Die aussagekräftigste römische Quelle zu den Sachsen ist ein Brief des Sidonius Apollinaris (431/432-nach 479) an seinen Freund Namatius. Dieser Brief ist ein persönliches Schreiben und wurde somit nicht mit dem Anspruch verfasst ein Geschichtswerk oder eine Völkerbeschreibung zu sein. Sidonius Apollinaris warnt Namatius, der den Militärdienst in der Flotte angetreten hat, vor den Gefahren, die von den Saxones ausgingen:

[…] roving the winding shores of Ocean to meet the curving sloops of the Saxons, who give the impression that every oarsman you see in their crew is a pirate-camptain – so universal is it for all of them multaneously to issue orders and obey orders […] That enemy surpasses all other enemies in brutality. He attacks unforesseen, and when foreseen he slips away […].[16]

Ferner fügt er hinzu, die Saxones führten heidnische Menschenopfer durch, indem sie „am Abend ihrer Abfahrt einen von zehn Gefangenen durch Ertränken oder Kreuzigung töten“[17] würden. Der Autor gibt bei dieser Beschreibung nicht an, woher seine Informationen stammen. Die gallischen Provinzen hatten, wie oben ausgeführt häufiger unter sächsischen Überfällen zu leiden und es ist anzunehmen, dass sich derartige Informationen oder Gerüchte oral verbreiteten. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass Sidonius Apollinaris selbst je einen Sachsenangriff erlebt hat oder Augenzeuge ihrer Seetüchtigkeit wurde. Hingegen ist anzunehmen, dass er im Zuge seiner Absicht seinen Freund zu warnen, in seiner Beschreibung der „sächsischen Gefahr“ eher über- als untertrieben hat.

Eine der spätesten in gewisser Weise römischen Quellen, die die Saxones nennt ist das Werk De Excidio Britonum des romano-britischen Mönches Gildas aus dem 6. Jh. Gildas, der sich selbst scheinbar als Römer sah, beschreibt den Einfall der Saxones in Britannien. Die genaue Herkunft der Saxones wird nicht näher beleuchtet, wie überhaupt nur wenig in dem Werk steht, das für eine ethnische Analyse der Sachsen brauchbar wäre. Für Gildas sind die Saxones die grausamen, brutalen und hinterhältigen Heiden,[18] die als eine Art göttliche Strafe für den Abfall der Briten vom Christentum ganz Britannien verwüsten.[19]

In diesem Zusammenhang sei zumindest kurz auch die Historia ecclesiastica gentis Anglorum des angelsächsischen Mönches Beda Venerabilis aus dem 8. Jh. erwähnt, die sich inhaltlich sehr stark an Gildas Werk orientiert. Beda war zwar selbst kein Sachse sondern Angelsachse, scheint sich aber seiner Abstammung von den Sachsen verpflichtet gefühlt zu haben – mit dem Ergebnis, dass seine Beschreibung der Sachsen und die Schilderung ihrer Eroberung Britanniens.[20]deutlich weniger negativ ausfällt, als die des Gildas. Auffällig sind die Gemeinsamkeiten in den beiden Darstellungen: der Abfall der Briten vom Christentum, ihr Ruf um Hilfe bei den Sachsen, die Landung der Sachsen mit Schiffen, ihr schneller Sieg gegen die Picten und Scoten und der Vertragsbruch der Sachsen, in dessen Folge sie sich gegen die Briten wenden und das Land erobern. Beide Schreiber deuten dies als gerechte Strafe Gottes für die Sünden der Briten.[21] Interessant ist auch die Erwähnung einer Rückreise der Saxones von Britannien in ihre ursprüngliche Heimat in beiden Quellen.[22]

Zusammenfassen lässt sich, dass die Römer den Begriff Saxones wahrscheinlich ab dem 3. oder 4. Jh. für Piratengruppen verwendeten, die vmtl. irgendwo an der Nordseeküste beheimatet waren und die römischen Küsten entlang des Ärmelkanals überfielen. Die Saxones treten häufig zusammen mit den Franci auf,[23] sodass man zumindest von einem militärischen Bündnis, wahrscheinlich auch von engeren kulturellen Kontakten ausgehen kann. Im 5./6. Jh. treten die Saxones zunächst als Söldner und dann als Gegner der Briten auf, die nach kurzer Zeit Britannien erobern. Die römischen Quellen beschreiben die Saxones als heidnische, brutale und gefährliche Krieger, die sich auf eine Überraschungstaktik und ihre großen nautischen Fähigkeiten verlassen. Ihre Boote werden als „pandus myoparo“[24] beschrieben, was man mit ‚kleine, gebogene Schaluppe‘ übersetzen könnte.

2.3 Saxones in fränkischen Quellen

Nach dem Zerfall des weströmischen Reiches treten die Franken an die Stelle der Römer als große schriftführende Kultur Westeuropas. Die Franken waren nach römischen Quellen offenbar schon länger Nachbarn der Sachsen und mit diesen auch zuweilen verbündet. Die fränkischen Quellen des 6.-9. Jh. berichten jedoch von den Saxones fast ausschließlich als Gegner. Gregor von Tour beschreibt zwei Ereignisse mit Saxones, die auf fränkisches Gebiet eindringen. Der erste dieser Fälle ereignete sich wahrscheinlich in den 60er Jahren des 5. Jh. während der Regentschaft des Childerich – in dieser Zeit galt Gallien noch als römische Provinz.[25] Gregor von Tour schreibt hierzu:

[…] Adovaker aber mit seinen Sachsen kam gegen Angers. […] Hierauf wurde zwischen den Sachsen und Römern Krieg geführt; die Sachsen aber wandten sich zur Flucht […] ihre Inseln wurden von den Franken unter großem Blutvergießen eingenommen und verheert.[26]

Die Saxones sind abermals räuberische Krieger, die mit Schiffen an einer Küste bzw. an einem Fluss auftauchen und die Bevölkerung überfallen. Offenbar besetzen sie auch einige Inseln, wurden aber recht schnell wieder von den Franken zurückgeschlagen. Soweit deckt sich das Bild mit den römischen Quellen, mit dem Unterschied, dass Gregor keine Beschreibung der Sachsen liefert.

Das zweite Ereignis, das Gregor nennt, müsste in die späten 60er oder frühen 70er Jahre des 6. Jh. datiert werden, sodass Gregor als Zeitzeuge gelten kann. Gregor zufolge

[…] brachen die Sachsen, die mit den Langobarden nach Italien gezogen waren, erneut in Gallien ein, und schlugen in dem Gebiet von Riez, bei dem Hofe Estoublon ihr Lager auf […][28]

Die Sachsen seien dann vom Feldherren Mummolus geschlagen und dem König Sigibert unterworfen worden. Dieser habe sie dann wieder in dem Gebiet angesiedelt, aus dem sie ursprünglich gekommen seien – damit ist der Nordschwabengau im Nordharzvorland gemeint.[29] Ob Gregors Saxones aus dem 6. Jh. ethnisch mit den Saxones des 5. Jh. identisch sind, ist fraglich. Gregor scheint eine klarere Vorstellung von diesem Gruppenbegriff gehabt zu haben als frühere Autoren, jedoch beruft er sich für die Ereignisse des 5. Jh. auf ältere Quellen oder mündliche Überlieferungen.

Für das 7. Jh. und vor allem für die erste Hälfte des 8. Jh. berichten die Fredegar-Chronik und das Liber Historiae Francorum eine Reihe von Aufständen der Saxones.[30] Das fränkische Sachsenbild verschlechterte sich in dieser Zeit zusehends, was wohl auf die zunehmenden Konflikte zurückzuführen ist. Der Urheber dieser Konflikte war offenbar das nicht eindeutig geklärte Verhältnis der beiden Stämme. Vmtl. seit der Zeit König Chlothar I. waren die Sachsen den Franken gegenüber tributpflichtig – sie mussten jährlich 500 Kühe an die Franken schicken.[31] Diese Tribute wurden von den Franken offenbar als Symbol der rechtsgültig bindenden Unterwerfung der Sachsen angesehen, wohingegen bei den Sachsen entweder nie eine gemeinsame Unterwerfung statt gefunden hatte, oder aber die Vereinbarung als ungültig betrachtet wurde, da der Tribut offenbar regelmäßig ausblieb.

Die fränkischen Quellen erlauben kein besonders differenziertes Bild der Saxones, obwohl sie sie häufig nennen. Der Begriff wurde allerdings offenbar auf verschiedene Gruppen angewendet. So treten in der Fredegar-Chronik Saxones im Gebiet des heutigen Niedersachsen auf, bei denen es sich vermutlich um Altsachsen im heutigen Wortsinne handelte; daneben berichtet die Chronik jedoch von Saxonis Baigassinus,[27] also den Sachsen aus Bayeux, die laut Gregor auf Seiten Childerichs gegen Waroch kämpften,[28] und nennt einen sächsischen dux „Aigyna genere Saxsonum“[29] im Heer des Frankenkönigs Dagobert. Allerdings scheinen die Franken keinen genauen Begriff von den Völkern östlich des Rheins gehabt zu haben. So wird ein Aufstand der Sachsen gegen König Chlothar im Jahr 623 wie folgt beschrieben: „In jenen Tagen erhoben sich die Sachsen und stellten ein aus vielen Völkerschaften bestehendes Heer gegen König Dagobert und Chlothar auf.“[30]

Diese Aussage legt nahe, dass die Sachsen entweder selbst eine Gruppe waren, die in mehreren Völkerschaften auftrat, oder aber dass im Gebiet der Altsachsen – das in der gleichen Textstelle als ein Gebiet zwischen Rhein und Weser beschrieben wird[31] – noch andere Ethnien lebten. In beiden Fällen scheinen die Franken entweder nicht im Stande oder nicht Willens gewesen zu sein, diese genauer zu differenzieren.

In karolingischer Zeit kommt es zu den 32 Jahre andauernden Sachsenkriegen, die die Quellen thematisch dominieren. Einhard schreibt in der Vita Caroli Magni, es habe keine deutlichen Grenzen zwischen den Gebieten der Sachsen und Franken gegeben, da die Grenze „fast ausschließlich durch flaches Land“[32] verlief. Die folgende Beschreibung der Sachsen durch Einhard ist voller negativer Adjektive, vor allem die Treuelosigkeit hebt er immer wieder hervor. Allem Anschein nach, fasste Einhard die Sachsen als ein Volk auf, dass geschlossen Verhandlungen führen und Verträge einhalten könne und müsse. Die Tatsache, dass es „kaum ein Kriegsjahr [gab], in dem sie [die Sachsen] nicht ihren Wankelmut bewiesen“[33] spricht jedoch dafür, dass dem nicht so war. Wahrscheinlicher ist, dass die Franken den Sachsenbegriff auf alle Personen zwischen Rhein, Harz, Elbe und Nordsee anwendeten, weil sie die Zersplitterung der Sachsen nicht erfassen und die verschiedenen Gruppen in diesem Gebiet nicht differenzieren konnten.[34] In der Folge war auch in der späteren Verwaltung durch die Franken offenbar jeder ein Sachse, der aus dem von den Franken als sächsisch definierten Gebiet stammte.

Zusammenfassend lassen sich einige Informationen über die Saxones aus den fränkischen Quellen gewinnen, die eine Ableitung auf die zu erwartenden archäologischen Quellen erlauben könnten. Das Siedlungsgebiet wird als eine Gegend östlich des Rheins und entlang der Weser charakterisiert. Weitere Textstellen können so gedeutet werden, dass Saxonia im 6./7. Jh. an die Herrschaftsgebiete der Franken und Thüringer, mit denen wohl auch zeitweilige Bündnisse bestanden,[35] sowie die Gebiete der Friesen und Wenden[36] angrenzte. Die Berichte unterscheiden diese Völker jedoch klar voneinander, was sich auch im archäologischen Befund nachweisen lassen sollte. Das Heidentum der Sachsen wird vor allem im 8. Jh. immer wieder betont, wobei es zwei Erwähnungen von (Zwangs-)Taufen schon vor den Sachsenkriegen Karls des Großen gibt.[37] Schriftliche Erwähnungen von Sachsen, die offenbar Boote oder Schiffe nutzen, wie die zeitweilige Besatzung der Loireinseln[38] oder die Landung in Britannien,[39] legen nahe, dass das Seewesen und der Schiffsbau auch im 5./6. Jh. weiter betrieben wurden. Die späteren Quellen berichten nichts mehr darüber, was aber nicht unbedingt heißt, dass die Seefahrt aufgegeben wurde. Die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen, in deren Folge immer wieder von großen Zerstörungen und Massakern durch die Franken berichtet wird, könnten, sofern sie archäologisch nachgewiesen werden können, genauere Auskünfte über das Siedlungsgebiet und die Sachkultur der beteiligten Gruppen liefern.

2.4 Die Sachsen in der Selbstschau

Wie bereits erwähnt setzt die sächsische Geschichtsschreibung erst spät ein – die erste sächsische Quelle, die sich mit dem eigenen Stamm beschäftigt, ist Widukind von Coveys Res gestae saxonicae aus der Mitte des 10. Jh. Bereits die Datierung legt nahe, dass diese Quelle recht problematisch ist. Wie oben ausgeführt, bedeutete die Eingliederung in das fränkische Reich maßgebliche Veränderungen für die sächsische Kultur. Widukind beschrieb in seinem Werk Zustände, die er selbst nicht erlebt hat und schrieb die Sachsengeschichte überdies eher locker, zu Unterhaltung der Adressatin – der Äbtissin von Quedlinburg Mathilde.[40] Verschiedene Elemente in Widukinds Bericht erinnern stark an Sagendarstellungen:[41] Die Herkunft der Sachsen von den Makedonen, die Wanderung (Schiffsreise) der Sachsen zu dem Ort Hadeln im heutigen Sachsen, wo sie anlanden, die Eroberung des Gebietes durch List und Waffengewalt und schließlich die Beteiligung an der Zerschlagung des Thüringerreiches durch die Franken 531. Für die letztere gibt es weder zeitgenössische historische noch archäologische Belege. Widukind schrieb seine Sachsengeschichte zwar als Sachse, aber doch auch als Vertreter eines Reiches, das seine Existenz den Franken verdankte. So passte sich die Geschichte, Sachsen und Franken seien früher schon Verbündete gewesen gut in sein Weltbild ein. Darüber hinaus griff er höchstwahrscheinlich bei dieser Beschreibung auf eine ältere Quelle zurück – die Translatio Sankti Alexandri von Rudolf von Fulda aus dem 9. Jh., in der die Geschichte von der sächsischen Beteiligung am thüringisch-fränkischen Krieg ebenfalls vorkommt.[42] Neben solchen offenbar rein fiktionalen Elementen enthält die Sachsengeschichte auch Spuren von Lebensrealitäten des 10. Jh. Die Idee der Landung per Schiff gefolgt von der Einnahme eines Hafenortes, die scheinbar ebenfalls von Rudolf übernommen wurde, könnte durchaus auf den Eindrücken der Wikingerangriffe des 9. und 10. Jh. fußen. Generell stellt die Sachsengeschichte die Sachsen so dar, wie sie auch nach der Eroberung durch Karl den Großen von den Franken aufgefasst werden, nämlich in drei feste Unterstämme unterteilt, die sich aber offenbar alle einer gewissen Einigkeit der Sachsen verpflichtet fühlten.[43] Dass diese Darstellung kaum den realen Verhältnissen vor 804 entsprochen haben dürfte, wird aus den anderen offensichtlich falschen Darstellungen ersichtlich. Martin Springer fasst den Aussagewert der drei oft als Hauptquellen der sächsischen Frühgeschichte gewerteten Quellen (Translatio Sankti Alexandri, Res gestae saxonicae, Annales Quedlimburgensis) wie folgt zusammen. „Die im 9., 10. oder 11. Jh. entstandenen Werke bilden keine Quellen der sächsischen Geschichte des 6. Jhs.“[44]

3. Das archäologische Sachsenbild

3. 1 Einleitendes zu den archäologischen Quellen

Archäologische Quellen haben den Vorteil, dass sie in aller Regel unabsichtliche Hinterlassenschaften der Vergangenheit sind. Somit muss man bei ihnen nicht von persönlichen Standorten oder absichtlichen Täuschungen ausgehen. Der große Nachteil archäologischer Quellen ist, dass sie (außer in den seltenen Fällen einer Inschrift) keine direkten Informationen über ihren Erzeuger überliefern und grundsätzlich fragmentarisch sind. Archäologische Interpretationen sind daher immer auf Mutmaßungen und oft auf eine vergleichsweise kleine Datenbasis gestützt.

Das Frühmittelalter erlaubt es archäologische Quellen direkt mit Schriftquellen zu vergleichen. Für diesen Vergleich empfiehlt es sich methodisch, zuerst anhand der Schriftquellen die zu erwartenden Funde zu definieren und sie dann direkt mit den vorhandenen Funden abzugleichen, um zu vermeiden, sich ein passendes Bild zurecht zu konstruieren.

3. 2 Ethnische Interpretation archäologischer Quellen

Anhand der oben aufgeführten Zusammenfassung von Abschnitt 2. soll im folgenden versucht werden die Bandbreite der erwartbaren Funde abzuleiten und anhand der tatsächlich ergrabenen Funde die Übereinstimmung der historischen und archäologischen Quellen zu prüfen.

a) Schiffe, Boote und alle Arten von Seefahrtszubehör sowie jede Art von Gegenständen oder Spuren von Kult, die auf eine enge Verbindung zum Wasser schließen lassen.

Aus dem Elb-Weser-Raum liegen bisher keine Hinweise auf ein starkes Schiffbauhandwerk oder einen sonstigen nautischen Bezug vor – fraglich ist, ob man angelsächsische Schiffsgräber, wie das von Sutton-Hoo als Beleg heranziehen könnte. Da diese Grabkultur jedoch in Norddeutschland keine Parallelen aufweist erscheint es sinnvoller, sie der angelsächsischen Kultur zuzuweisen. Problematisch ist hierbei allerdings, dass Boote und andere Holzobjekte nur unter besonders günstigen Umständen erhalten geblieben sind.

b) Beigabenreiche Körper- und Brandgräber, sowie Opferplätze und das Fehlen von Kirchen o. ä. als Zeichen einer nicht christlichen Religion, insbesondere Hinweise auf Wodan oder Saxnoth.

Den unterschiedlichen Bestattungssitten kommt bei der ethnischen Interpretation in der Archäologie ein besonderer Stellenwert zu, da sie eher als z. B. Grabbeigaben gemeinsame Vorstellungen einer Gruppe beim Bestattungsritus repräsentieren könnten. Im sächsischen Raum zeichnen sich eine Reihe von Merkmalen ab, die ihn von den umgebenden Räumen unterscheiden. Zunächst ist die Nichtübernahme der sonst sehr dominanten fränkischen Reihengräberkultur zu erkennen.[45] Hingegen zeichnen sich die sächsischen Grabbräuche, die von Süden nach Norden ausgerichteten Körperbestattungen mit teils reichen Beigaben, die dominierenden Brandbestattungen und die Niederlegung von Pferden in der Nähe einiger Gräber klar von den Grabbräuchen der umgebenden Kulturen ab.[46][47]

c) Verstärkt Spuren von Gewaltanwendung vor allem an Bestatteten des 8. und 9. Jh., sowie evtl. mehr Waffenbeigaben als Zeichen verstärkter kriegerischer Aktivitäten in dieser Zeit, sowie evtl. Zerstörungshorizonte in Siedlungsgebieten als Spur fränkischer Strafexpeditionen.

Bei den Recherchen konnte kein Hinweis auf Spuren besonders häufiger Gewaltanwendung an den Bestattungen des 8.-9. Jh. im sächsischen Raum gefunden werden, sodass angenommen werden muss, dass eine solche nicht archäologisch nachgewiesen werden kann. Dieser Umstand überrascht jedoch nicht besonders, da die meisten solcher Spuren, wenn sie einmal vorhanden gewesen sein sollten, durch die Verbrennung der meisten Leichen unkenntlich geworden sein dürften. Dafür weist Albert Genrich auf die wachsende Zahl der Waffenbeigaben und Waffenopfer ab etwa 100-200 vor Christus im Vergleich zu den eher zivilen Beigaben und Opfern in der Zeit davor hin.[48] Genrich deutet dies als Hinweis darauf, dass sich in dieser Zeit die Formierung der Sachsen aus verschiedenen Stämmen des sog. Nerthusbundes vollzogen habe.[49]

d) Gallo-römische und romano-britische Gegenstände, die im 3., 4. und 5. Jh. als Raubgut nach Norddeutschland kamen. Ferner römische Militaria, die in der gleichen Zeit an sächsische Hilfstruppen verliehen wurden.

Tatsächlich können für das 4. Jh. verschiedene Objekte provinzialrömischen Ursprungs im sächsischen Raum nachgewiesen werden, darunter Armbrust und Tutulusfibeln, bei denen allerdings nicht klar ist, ob sie geraubt oder gehandelt wurden. Weitere „typisch sächsische“ Formen dieser Zeit sind Stützarm-, Bügel- und Scheibenfibeln, aus denen sich im 5./6. Jh. die als klassisch sächsisch angesehen Gleicharmigen Fibeln und Schalenfibeln entwickeln.[50] Römische Militärgürtelgarnituren finden sich häufig in den Männergräbern des 3.-5. Jh. im Elb-Weserraum, Waffen hingegen sind selten.[51]

e) Spuren sächsischer Kultur in Britannien, vor allem im heutigen England vom 5. Jh. an, umgekehrt evtl. Spuren eines Rückflusses angelsächsischer Kultur(-güter) im sächsischen Raum.

Der genaue Ablauf der sächsischen Einwanderung nach Britannien ist umstritten, die Tatsache an sich wird jedoch kaum angezweifelt. Erkennbar ist vor allem der Transfer der Brandbestattungssitte sowie die Verwendung sog. Buckelurnen, die recht deutlich auf den sächsischen Raum verweisen.[52] Darüber hinaus liefern verschiedene andere Formen wie Fibeln und Waffen hinweise auf die sächsische Wanderung, ebenso wie Ortsnamen bzw. Namen von Königreichen, wie Wessex oder Eastanglia.

f) Thüringische Importwaren im sächsischen Raum und umgekehrt, die auf ein Thüringisch-Sächsisches-Bündnis im 6. Jh. hindeuten könnten.

Thüringische Importe, darunter vor allem Schmuckerzeugnisse wie Miniatur- oder Zangenfibeln, lassen sich auf sächsischen Gräberfeldern, wie den bedeutenden Gräberfeldern von Liebenau und Beckum, vom 5. Jh. bis zum Ende des Thüringerreiches nachweisen; umgekehrt finden sich zeitgleich in Mitteldeutschland sächsische Fibeln und Brakteate.[53] Man darf von einem Handel zwischen beiden Gruppen ausgehen, allerdings wird angenommen, dass die Sachsen mehr Schmuck und sonstige kulturelle Güter importierten als exportierten.[54]

g) Fränkische Gegenstände, die vor allem im 7. und 8. Jh. als Raubgut in den sächsischen Raum gelangt sein könnten.

Bestimmte reich ausgestattete Gräber, wie das sog. Fürstengrab von Beckum spiegeln ein hohes Interesse an fränkischen Luxusgütern wieder.[55] Es ist ein in der Archäologie immer wieder zu beobachtendes Phänomen, dass sich vor allem Eliten mit Kulturerzeugnissen mächtigerer Nachbarn schmücken – während der gesamten römischen Kaiserzeit lassen sich römische Importe in der Germania libera nachweise. So überrascht es nicht, dass auch im sächsischen Raum fränkische Importe auftauchen. Gerade fränkische Waffen waren offenbar eine geschätzte Ware und können auch im sächsischen Raum nachgewiesen werden.[56] Hinweise auf Raub lassen sich archäologisch nicht erschließen.

h) Eine erhöhte Zahl von Saxen,[57] sofern die Darstellung Widukinds, dies sei die namensgebende Hauptwaffe der Sachsen, zutrifft.

Generell wird in Fragen der ethnischen Interpretation hauptsächlich mit Trachtteilen vor allem Teilen der Frauentracht gearbeitet.[58] Trachtzubehör und Schmuck wird der höchste ethnische Aussagewert beigemessen, Waffen hingegen können für das frühe Mittelalter als eher überkulturell angesehen werden. Man kann dies daran erkennen, dass z. B. die Verbreitung von Saxen, die nach den Quellen typisch sächsische Waffen sein müsste, in merowingischer Zeit verstärkt auch im fränkischen Raum nachgewiesen werden kann.[59] Für das 7./8. Jh. lässt sich jedoch eine verstärkte Niederlegung von Saxen als Grabbeigabe im sächsischen Kerngebiet verzeichnen, während in den umgebenden Gebieten mehr Spathen als Saxe in Gräbern aus dieser Zeit gefunden werden können.[60] Bei genauerer Analyse aller Waffenbeigaben für das 5.-9. Jh. im Großraum Nordwesteuropa ließen sich vielleicht interessante Erkenntnisse gewinnen.

4. Kritik an der ethnischen Interpretation

Die ethnische Interpretation von Funden galt lange als Hauptaufgabe der Archäologie und wird von vielen Archäologen auch heute noch als solche angesehen.[61] Die Gründe hierfür sind einerseits forschungsgeschichtlich durch die Entstehungszeit der Urgeschichtsforschung in der Zeit der Entstehung der frühen Nationalstaaten bedingt, andererseits in dem öffentlichen Interesse an der Entstehung des eigenen ‚Volkes‘, dass auch heute noch deutlich zu erkennen ist.[62] Für diese Interpretationsweise kann Gustav Kossinnas Aussage „Scharf umgrenzte archäologische Kulturprovinzen decken sich zu allen Zeiten mit ganz bestimmten Völkern oder Völkerstämmen.“[63] als extremes Beispiel angesehen werden. Problematisch hieran ist nicht nur die Definition von Volk oder Volksstamm, die im frühen 20. Jh. wohl eine andere war als z. B. im 5. Jh., sondern viel mehr, dass es scharf umgrenzte archäologische Kulturprovinzen in Kossinnas Sinne nicht gibt.

Die Kulturprovinz ist ein Fachkonstrukt mit Modellcharakter – eine Kulturprovinz ist nur die geographische Ausdehnung eines bestimmten, von Wissenschaftler_ innen mehr oder weniger willkürlich festgesetzten Merkmalsbündels.[64] Wie willkürlich, das zeigt unter anderem Heiko Steuer an verschiedenen Beispielen[65] wie z. B. der Jastorf-Kultur, deren Definitionsmerkmale die Merkmale der Urnenfriedhöfe in der näheren Umgebung des Wohnortes von Gustav Schwantes entsprachen, der den Begriff der Jastorf-Kultur prägte.[66] Andere prähistorische Kulturen decken sich bemerkenswert genau mit modernen Staaten und in wieder anderen Fällen stellen sich die definitionsgemäßen Unterschiede bei genauerer statistischer Untersuchung als rein subjektiver Eindruck früherer Bearbeiter_innen heraus[67].

Die meisten Informationen für die Eingrenzung von Ethnien werden traditionell aus Gräbern gewonnen, meist aus den Grabbeigaben. Ganz abgesehen davon, dass die Typen, nach denen Kulturen definiert werden, letztlich auch der subjektiven Wahrnehmung ihrer Bearbeiter unterliegen, gibt es verstärkt Zweifel an ihrer ethnischen Aussagekraft. Grabbeigaben können verschiedene Aspekte einer Identität ausdrücken – die Ethnizität der betreffenden Person kann mit ihnen allein kaum sinnvoll gedeutet werden. Das selbe gilt auch für die Tracht einer Person, zumal die Idee einer Volkstracht erst im 19. Jh. entstanden ist,[68] sodass schon der Tracht-Begriff in jüngerer Zeit kritisch gesehen wird. Gerade bei Brandgräbern mit verbrannten und per Hand ausgelesenen Beigaben, die unter Umständen (z. B. bei Mehrfachbenutztung des selben Verbrennungsplatzes) auch von anderen Bestattungen stammen können, ist eine ethnische Zuweisung problematisch.

Verbreitungskarten werden häufig zur Abgrenzung und Untermauerung verschiedener archäologischer Kulturen/Ethnien genutzt. Gerade ältere Verbeitungskarten sind jedoch häufig raumgebunden erstellt worden und stellen daher nur Ausschnitte der tatsächlichen Verbreitung eines Typs dar – sodass der falsche Eindruck einer klar umrissenen Kulturprovinz dadurch entstehen kann, dass das jeweilige Aufnahmegebiet klar umrissen war.[69] Die Karten zeigen ferner oft relativ große Gebiete für einzelne Kulturen, die kaum die direkten Kontakte einer frühmittelalterlichen Gesellschaft wiederspiegeln dürften – in den letzten Jahren wurde daher die Forderung nach kleinräumigeren Kulturdefinitionen laut.[70]

Methodisch sehr problematisch ist auch das traditionelle Deutungsmodell, jede fremde Form in einer Bestattung als das Ergebnis einer Wanderung eines Individuums meist durch Exogamie zu erklären. Jede Erscheinung, die andernfalls die ethnische Interpretation des Bestattungsplatzes in Frage stellen würde, wird also als Zeichen von Polyethnizität gedeutet und würde somit das ethnische Paradigma bestätigen. Jeder methodischen Kritik am Paradigma wird auf diese Weise die Basis entzogen. Dies ist im modernen Verständnis eine unwissenschaftliche Vorgehensweise:[75]

5. Fazit

Die Sachsen sind eine sehr schwer zu fassende Gruppe. Auch wenn die Quellen immer von Saxones wie von einem zusammenhängenden Stamm sprechen, lassen sie im Vergleich miteinander erkennen, dass der Begriff Saxones von verschienen Personen zu verschiedenen Zeiten scheinbar auf verschiedene Personen angewendet wurde und eher ein Begriff für in Norddeutschland beheimatete Kriegergruppen war, die sich als Piraten und Söldner betätigten, als für eine gens. Die Nennung von Saxones im Dienst des römischen und fränkischen Reiches, sowie als wandernde Gruppen in Italien, Gallien und Britannien legt nahe, dass es sich hierbei nicht um ein Volk im modernen oder einen festen Stamm im Hochmittelalterlichen Sinne handelte, sondern eher um eine Fremdbezeichnung für Kriegergruppen vmtl. unterschiedlicher Ethnien. Die von Albert Genrich vorgeschlagene Deutung der Sachsen als verschiedene Heerschaften mit einem gemeinsamen besonderen Wotans- oder Saxnoth-Kult, die sich nach ihrer Waffe benannten[71], wirkt vor diesem Hintergrund überzeugend.

Nach der aktuellen Lehrmeinung verwendet die Archäologie den Begriff ‚Sachsen‘ oft synonym mit dem Begriff ‚Saxones‘, was zum Teil gerechtfertigt, zum Teil jedoch in einer unkritischen Übernahme von Informationen historischer Quellen begründet liegt. Ob die Saxones der römischen und frühen fränkischen Quellen mit den archäologischen Sachsen identisch sind, lässt sich nicht nachweisen, muss jedoch stark angezweifelt werden. Es empfiehlt sich den Begriff ‚Sachsen‘ erst ab dem 5. Jh. und nur auf die Bewohner von Teilen des heutigen Niedersachsens, sowie Schleswig-Holsteins, Sachsen-Anhalts und Thüringens anzuwenden. Um frühere Gruppen in diesem Gebiet zu beschreiben, sollte auf weniger scharf umgrenzende Begriffe, wie z. B. Elb-Weser-Germanen oder besser noch Elb-Weser-Gruppen zurückgegriffen werden.

Die althergebrachten Methoden der ethnischen Interpretation archäologischer Funde haben ein Bild von frühmittelalterlichen Ethnien und besonders den Sachsen geschaffen, das mit den oben genannten neuen Vorstellungen von frühmittelalterlichen Ethnien nicht zusammen passt und, soweit es die moderne Forschung sagen kann, auch nicht den realen frühmittelalterlichen Bedingungen entspricht. Um diesen realen Bedingungen archäologisch näher zu kommen, bedarf es eines grundlegenden paradigmatischen und methodischen Wechsels in der Archäologie, der zum Teil und bei einigen Fachvertreter_innen bereits vollzogen, allerdings in vielen auch neueren Publikationen noch nicht erkennbar ist[72]. Gerade für die Zeit des frühen Mittelalters sollte die Forschung die Frage nach der Ethnizität anderen Identitätsaspekten wie dem Beruf, dem sozialen Stand u. a. nicht mehr überordnen und bei der Interpretation von ‚exotischen Typen‘ alternative Deutungsansätze, wie Handel oder Geschenkweitergabe im Zuge eines Gefolgschaftsverhältnisses bedenken[73]. Auch eine größere methodische Unabhängigkeit von den Geschichtswissenschaften wäre wünschenswert[74] – die notwendigen Voraussetzungen sind durch Techniken wie die Paläogenanalyse oder die Strontiumanalyse durchaus gegeben. Auf Basis einer solchen paradigmatisch und methodisch neuen Interpretation archäologischer Funde könnte die Archäologie wesentlich zu einem differenzierten Verständnis des frühen Mittelalters in vielen Aspekten, darunter auch die Frage nach der Ethnizität der Menschen, beitragen – ohne dabei auf Zirkelschlüssen aufzubauen.

Freie Universität Berlin, Sommersemester 2013

[1] Vgl. Torsten Capelle: „Art. Sachsen. §4 Archäologisches.“ In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Hrsg. von Heinrich Beck/ Dieter Geuenich/ Heiko Steuer. Berlin: de Gruyter 2004. S.

[2] -53. Hier: S. 46.

[3] Vgl. Jörg Kleemann: Sachsen und Friesen im 8. und 9. Jahrhundert. Eine archäologisch-historische Analyse der Grabfunde. Oldenburg: Isensee 2002. S. 349.

[4] Vgl. Matthias Springer: Die Sachsen. Stuttgart: Kolhammer 2004. S. 96.

[5] Vgl. ebd. S. 17.

[6] Zitiert nach Torsten Capelle: Widukinds heidnische Vorfahren. Das Werden der Sachsen im Überblick. Bielefeld: Verlag für Religionsgeschichte 2008. S. 12. Siehe auch Matthias Springer: Die Sachsen. S. 17f.

[6] Albert Genrich: „Ursprung und Ausbreitung der Altsachsen bis zum 5. Jahrhundert.“ In: Sachsen und Angelsachsen. Hrsg. von Claus Ahrens. Hamburg: Helms-Museum 1978. S. 43-50. Hier: S. 43; ders.: „Der Name der Sachsen – Mythos und Realität.“ In: Studien zur Sachsenforschung. Bd. 7. Hrsg. von Hans-Jürgen Häßler. Oldenburg: Isensee 1991. S. 137-143. Hier: S. 141. Vgl. Claus Ahrens: „Vorbemerkungen zur Archäologie und Geschichte der Sachsen und Angelsachsen.“ In: Sachsen und Angelsachsen. A.a.O. S. 17-34. Hier: S. 26f.

[7] Matthias Springer: Die Sachsen. S. 27.

[8] Vgl. ebd.

[9] Vgl. ebd. S. 27f.

[10] Vgl. Eutropii breviarium ab urbe condita/Eutropius kurze Geschichte Roms seit Gründung. Hrsg. von Otto Lendle/ Peter Steinmetz. Stuttgart: Steiner 1995. S. 21. 11 Vgl. Matthias Springer: Die Sachsen. S. 33.

[11] Vgl. Claus Ahrens: „Vorbemerkungen zur Archäologie und Geschichte der Sachsen und Angelsachsen.“ S. 18.

[12] Vgl. Matthias Springer: Die Sachsen. S. 34f. U. a. Eine Rede von Kaiser Julian und die Schriften des griech. Geschichtsschreibers Zosimos.

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl. Sidonius Apollinaris: Poems and Letters. Im Folgenden Sid. Let. London: 1968. VII 6, 14.

[15] Gegen die erste These spricht sich namentlich Springer aus: Matthias Springer Die Sachsen. S. 46.

[16] „Oceani curvis inerrare contra Saxonum pandos myoparones, quorum quot remiges videres, totidem te cernere putes archipirates: ita simul omnes imperant parent, docent discunt latrocinari. […] hostis est omni hoste truculentior. Inprovisus aggreditur praevisus elabitur […].“Sid. Let. VII 6, 14.

[17] „mos est remeaturis decimum quemque captorum per aquales et cruciarias poenas“ Sid. Let. VII 6,15.

Aus dem Englischen übersetzt vom Autor.

[18] Gildas. The Ruin of Britain and other Documents. Im Folgenden Gilda. Hrsg. von Michael Winterbottom. Phillimore 1980. S. 25.

[19] Ebd. S. 23.

[20] Vgl. Beda Venerabilis. Historia ecclesiastica gentis Anglorum/Kirchengeschichte des englischen Volkes. Im Folgende Beda Hist. eccl. Hrsg. von Günther Spitzbart. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1982. S. 14-16.

[21] Vgl. ebd.

[22] Vgl. Gildas. S. 25; Beda Hist. eccl. S. 16.

[23] Matthias Springer: Die Sachsen. S. 35.

[24] Sid. Let. VII 6. S. 14.

[25] Vgl. Horst Zettel.: „Das Sachsenbild der Franken in zeitgenössischen Quellen der Merowinger- und Karolingerzeit.“ In: Studien zur Sachsenforschung. Bd. 6. Hrsg. von. Hans-Jürgen Häßler. Oldenburg: Isensee 1987. S. 269–277. Hier: S. 269f.

[26] „[…] Adovarcius vero cum Saxonibus Andecavo venit. […] His ita gestis, inter Saxones atque Romanos bellum gestum est; sed Saxones terga vertentes […] insolae eorum cum multo populo interempto a Francis captae atque subversi sunt.“ Gregorii Episcopi Turonensis. Historiarum Libri Decem. Im Folgenden Greg. Hist. Berlin: Rütten & Loening 1955. S. 18-19. Vgl. „Chronicarum quae dicuntur Fredegarii. Libri Quattuor.“ Im Folgenden Fred. In: Quellen zur Geschichte des 7. und 8. Jahrhunderts. Hrsg. von Franz Josef Schmale. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1982. S. 44-271. III 12.

[27] „[…] Saxones, qui cum Langobardis in Italiam / venerant, iterum prorumpunt in Galliis et infra territurium Regensim, id est apud Stablonem villam castra ponunt […]“ Hist. IV 42. Auch Fredegar berichtet über ein sehr ähnliches Ereignis. Vgl. Fred. III 65-68.

[28] Matthias Hardt: „Thüringer und Sachsen.“ In: Die Frühzeit der Thüringer. Hrsg. von Helmut Castritius/ Diert Geuenich/ Matthias Werner. Berlin: de Gruyter 2009. S. 253-261. Hier: S. 258.

[29] u.a. 623 (Vgl. „Liber Historiae Francorum“ Im Folgenden Lib. Hist. Franc. In: Quellen zur Geschichte des 7. und 8. Jahrhunderts. A. a.O. S. 329-338. 41), 724 ( Vgl.Chronicarum quae dicuntur Fredegarii Continuationes. Im Folgenden Cont. In: Quellen zur Geschichte des 7. und 8. Jahrhunderts. A.a.O. S. 272-328. 11), 738 (Cont. 19), 744 (Cont. 27), 748 (Cont. 31), 753 (Cont. 35).

[30] u.a. Fred. IV; 74. Diese Tribute wurden von Dagobert 632/33 aufgehoben und nach einem erneuten Sachsenaufstand 744 von Karlmann wieder eingeführt.

[27] Vgl. Fred. III 80. Vgl. Auch Greg. Hist. V 26.

[28] Vgl. Greg. Hist. V 26.

[29] Vgl. Fred. V 78.

[30] „In illis quoque diebus Saxones rebelles nimis commoverunt exercitum gencium plurimarum contra Dagobertum regem vel Chlotharium.“ Lib. Hist. Franc. 41.

[31] Vgl. „Dagobertus […] Renum transiit, contra Saxones ad pugnam exire non dubitavit. […] super Wisra fluvium tendentes, fixerunt tentoria.“ Ebd.

[32] Einhard. Vita Caroli Magni/Das Leben Karls des Großen. Im Folgenden Einh. Vit. Carl. Hrsg. von Evelyn Scherabon Firchow. Stuttgart: Reclam 2006. S. 7.

[33] Ebd.

[34] Vgl. Richard Corradini: „Überlegungen zur sächsischen Ethnogenese anhand der Annales Fuldenses und deren sächsisch-ottonischer Rezeption.“ In: Die Suche nach den Ursprüngen. Von der Bedeutung des frühen Mittelalters. Hrsg. von Walter Pohl. Wien: Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaft 2004. S. 211–231. Hier: S. 216.

[35] Vgl. Greg. IV 10-14. Siehe auch Fred. III 51.

[36] Vgl. u. a. Cont. 31.

[37] 744 unter Karlmann (Cont. 27) und 748 unter Pippin (Cont. 31).

[38] Vgl. Fred. III 12. Vgl. Greg. Hist. II 18/19.

[39] Vgl. Gildas S: 23. Vgl. Beda Hist. eccl. I 15.

[40] Vgl. Widukind von Corvey. Res gestae Saxonica/Die Sachsengeschichte. Im Folgenden Wid. Res gest. Sax. Hrsg. von Ekkehart Rotter/ Bernd Schneidmüller. Stuttgart: Reclam 2006. Vorrede zum ersten Buch.

[41] U.a. Matthias Springer: Die Sachsen. S. 38.

[42] Vgl. ebd.

[43] Vgl. Wid. Res gest. Sax. I; 14.

[44] Matthias Springer: Die Sachsen. S. 96.

[45] Vgl. Torsten Capelle: „Art. Sachsen. §4 Archäologisches.“ S. 51.

[46] Vgl. ebd; Jörg Kleemann: Sachsen und Friesen im 8. und 9. Jahrhundert. S. 348; Frank Siegmund: „Ethnische und kulturelle Gruppen im frühen Mittelalter aus archäologischer Sicht.“ In: Kulturraum und Territorialität. Hrsg. von Dirk Krause/ Oliver Nakoinz. Rahden in Westfalen: Leidorf 2009. S.

[47] -158. Hier: S. 149.

[48] Vgl. Albert Genrich: „Der Name der Sachsen.“ S. 139ff.

[49] Vgl. ebd. S. 143.

[50] Vgl. Achim Leube: „Die Sachsen“. In: Die Germanen – Geschichte und Kultur der germanischen Stämme in Mitteleuropa. Bd. 2. Hrsg. von Joachim Herrmann. Berlin: Akademie Verlag 1983. S. 443484. Hier: S. 471f.

[51] Vgl. ebd.

[52] u. a. Catherine Hills: „Sächsische und Angelsächsische Keramik.“ In: Sachsen und Angelsachsen. A.a.O. S. 135-142. Hier: S. 135ff.

[53] Vgl. Berthold Schmidt: „Hermunduren – Angeln – Warnen – Thüringer – Franken – Sachsen.“ In: Alsachsen im Spiegel der nationalen und internationalen Sachsenforschung. Hrsg. von. Hans-Jürgen Häßler. Oldenburg: Isensee 1999. S. 341-366. Hier: S. 362.

[54] Vgl. ebd. S. 358.

[55] Vgl. Torsen Capelle: „Art. Sachsen. §4 Archäologisches.“S. 51.

[56] Albert Genrich: „Der Name der Sachsen.“ S. 138.

[57] Ein einschneidiges, meist eher kurzes Hiebschwert.

[58] Jörg Kleemann: Sachsen und Friesen im 8. und 9. Jahrhundert. S. 349.

[59] Herbert Westphal: „Franken und Sachsen – oder Westphalen? Historische Entwicklungen im Spiegel materieller Kultur.“ In: Sachsen und Franken in Westfalen. Zur Komplexität der ethnischen Deutung zweier frühmittelalterlicher Stämme. Hrsg. von Hans-Jürgen Häßler. Oldenburg: Isensee 1999. S. 241251. Hier: S. 245f.

[60] Torsten Capelle: „Art. Sachsen. §4 Archäologisches.“S. 46. Vgl. Abb. 6 ebd.

[61] Vgl. Sebastian Brather: „Ethnische Interpretation.“ In: Germanische Altertumskunde Online. Hrsg. von Heinrich Beck et. al. Berlin 2012. S. 6ff. (Bereitgestellt unter: DOI: 10.1515/gao_5, 19.09.2013)

[62] Vgl. Frank Siegmund: „Ethnische und kulturelle Gruppen im frühen Mittelalter aus archäologischer Sicht.“ S. 143.

[63] Vgl. Sebastian Brather: „Kossinna.“ In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. A.a.O. S. 263266. Hier: S. 265.

[64] Vgl. ebd. S. 266.

[65] Vgl. Heiko Steuer „Über die historischen Aussagemöglichkeiten der Archäologie zu ‚Völkern und Reichen‘.“ In: Völker, Reiche und Namen im frühen Mittelalter. Hrsg. von Matthias Becher/ Stefanie Dick. München: Fink 2010. S. 55-86.

[66] Vgl. ebd. S. 63.

[67] Vgl. ebd.

[68] Sebastian Brather: „Ethnische Interpretation.“ S. 20-24.

[69] Vgl. Heiko Steuer: „Über die historischen Aussagemöglichkeiten der Archäologie zu ‚Völkern und Reichen‘.“ S. 59ff.

[70] Ebd; Sebastian Brather: „Charakter und Aussagekraft archäologischer Quellen.“ In: Ethnische Interpretation in der frühgeschichtlichen Archäologie (= Reallexikon der germanischen Altertumskunde – Ergänzungsbände). Hrsg. von Heinrich Beck et al. Berlin: De Gruyter 2004. S. 323-354. Hier: S. 348f.

[75] Vgl. hierzu Frank Siegmund: „Ethnische und kulturelle Gruppen im frühen Mittelalter aus archäologischer Sicht.“ S. 147.

[71] Albert Genrich: „Der Name der Sachsen.“ S. 141.

[72] Siehe hierzu z. B. Torsten Capelle: Widukinds heidnische Vorfahren.

[73] Vgl. Sebastian Brather: „Charakter und Aussagekraft archäologischer Quellen.“ S. 325-330.

[74] Vgl. Frank Siegmund: „Ethnische und kulturelle Gruppen im frühen Mittelalter aus archäologischer Sicht.“ S. 147.

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