Rezension: Hans Fallada

Expert_innenwissen zu Hans Fallada

Letztes Jahr ist ein neues biographisches Werk über den Schriftsteller Hans Fallada erschienen. Der schon seit Jahren in der Fallada-Forschung aktive Gunnar Müller-Waldeck hat ein Buch über alles verfasst, was man von dem Autor der Neuen Sachlichkeit immer schon wissen wollte, sowie alles darüber hinaus.

Müller-Waldecks Werk versammelt detaillierte biographische Beobachtungen von vielen Zeitzeug_innen. Zwischen den zahlreichen Anekdoten und vielen Interviews mit Bekannten und Verwandten, die Fallada zu Lebzeiten begegnet sind, verliert sich der_die Leser_in zusehends: Wer hier eine vollständige, lineare Biographie erwartet, ist mit diesem Buch falsch bedient. Der Untertitel gibt einen Hinweis auf den fehlenden roten Faden des Werks: Betrachtungen – Erinnerungen – Gespräche – Biographische Splitter. Daher sollte man in diesem Werk auch keine literaturwissenschaftliche Aufarbeitung von Falladas Œuvre erwarten. Vielmehr versucht der Autor akribisch den Charakter des Privatmenschen Fallada nachzuzeichnen. Müller-Waldeck hat sich, den Gesprächsnotizen zufolge, die zum Teil schon vor 25 Jahren entstanden sind, schon sehr lange mit Fallada beschäftigt. Er hat ein Werk vorgelegt, das zweifelsohne eine pedantische Leidenschaft zu seinem Lieblingsautor offenbart.

Während der Recherche zu meiner Bachelorarbeit über Fallada ist mir bereits aufgefallen, wie viele Biographien und wie wenige Werkanalysen es im Vergleich zum Schaffen des Schriftstellers gibt. Leider schlägt Müller-Waldeck mit seiner biographischen Schrift in dieselbe Kerbe. Wobei ihm aber doch anzurechnen ist, dass er keinen großen Wert darauflegt, die bekannten Themen wie das Selbstmordduell Falladas mit einem Schulfreund oder seine Drogen- und Alkoholsucht erneut ausführlich zu thematisieren.

fallada

Das Buch ist also für all diejenigen geeignet, die sich an zum Teil recht banalem Expert_innen-Wissen zu Fallada erfreuen können. Denn in diesem Werk erfährt man sogar, was Falladas Zahnarzt, der ihm im Übrigen nur wenige Male begegnet ist, von dem Schriftsteller als Privatperson gehalten haben mag.

 Gunnar Müller-Waldeck: Hans Fallada – Nach wie vor. Betrachtungen – Erinnerungen – Gespräche – Biographische Splitter. Elmenhort/Vorpommern, Edition Pommern, 19,90 €.

Rezension von Melanie Schröder, die eine genderkritisch-literaturwissenschaftliche Bachelorarbeit mit dem Titel „Marginalisierte Männlichkeit(en)“ über Falladas Roman „Kleiner Mann –  was nun?“ verfasst hat.

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